Noch deutlicher wurde die finanzielle Misere des Haushalts durch die neue Kreditaufnahme des Bundes. Als Matthöfer seinen Haushaltsentwurf abschloß, hatte er die Neuverschuldung auf rund 27 Milliarden Mark begrenzt, als sein Haushalt schließlich Ende Juni 1981 vom Parlament verabschiedet wurde, waren die benötigten Kredite auf rund 34 Milliarden Mark geklettert. Zunehmende Arbeitslosigkeit, Hochzinspolitik und geringer fließende Steuereinnahmen führten zu unerwarteten Deckungslücken im Hauptbuch der Nation.

Gleichwohl gab sich der Finanzminister am 27. Juni in seiner letzten Rede vor dem Bundestag, der sich auf die Parlamentsferien vorbereitete, verhalten optimistisch und meinte, "wir können mit den Problemen fertig werden". Zugleich kündigte er an, "Regierung und Koalition werden im Juli Eckdaten beschließen, die ihre Entschlossenheit" zur "dauerhaften Sicherung unserer wirtschafts- und finanzpolitischen Handlungsfähigkeit und die Verbesserung der Haushaltsstruktur" bekräftigen werden.

Dies war denn auch zugleich der Auftakt zu einer Wiederbelebung jener Spardiskussion, die schon im Wahlkampf 1980 begonnen hatte, bei den Koalitionsverhandlungen aber nur zu halbherzigen Beschlüssen geführt hatte. Aber manches deutete darauf hin, die Koalition meine es nunmehr wirklich ernst. Ingrid Matthäus-Meier, Finanzexpertin der FDP, kündigte am 31. Mai "Einschnitte im Sozialbereich" an und versteifte sich: "Beim Sparen darf es keine Tabus geben." Otto Graf Lambsdorff wurde am 30. Juni noch deutlicher: "Wir werden nicht daran vorbeikommen, fühlbar in vorhandene Leistungsgesetze einzugreifen."

Aber auch in der SPD war man nicht abgeneigt, bei der Haushaltskonsolidierung eine härtere Gangart einzuschlagen. SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz hatte sich noch vor den Liberalen am 18. Juni dafür stark gemacht, "sachlich ungerechtfertigte oder gar mißbräuchliche Inanspruchnahme des Staates" abzubauen. Der Bundesgeschäftsführer: "Es ist geboten, nach dem Weltwirtschaftsgipfel Ende Juli in Ottawa in einer entschiedenen Anstrengung Weichen für die weitere wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklung zu stellen."

Die Erwartungen wurden sehr hochgeschraubt. Nach dem Gipfel in Ottawa werde nichts mehr so sein wie vorher, hieß es zweideutig. Helmut Schmidt, der Macher, schien bereit, sich der neuen Herausforderung zu stellen, die der Finanzminister mit Beginn des Sommermonats Juli so beziffert hatte: ein notwendiges Einsparvolumen von rund zwanzig Milliarden Mark. Kenner der Szene und solche, die sich dafür halten, wußten: "Diesmal machen die ernst. Am 27. Juli steht der Haushalt."

Am 30. Juli war es dann soweit, Bundeskanzler Helmut Schmidt marschierte mit dem für die Sparbeschlüsse wichtigen Dreiergespann Hans Matthöfer, Otto Graf Lambsdorff und Herbert Ehrenberg vor die Bonner Presse, um jene Haushaltseckdaten zu erläutern, die fortan das bundesdeutsche Leben bestimmen sollten. Das ursprüngliche Sparvolumen von rund 20 Milliarden Mark war auf 17 Milliarden Mark geschrumpft. Aber das war immerhin noch weit mehr, als Pessimisten geunkt hatten. Und das tatsächlich erreichte Sparvolumen sah mit 14,5 Milliarden Mark ganz respektabel aus. Über den Rest sollte noch nachgedacht werden. Aufgekratzt gab Matthöfer zum besten: "Ich bin mit dem Bundeskanzler sehr zufrieden."

Die sichtliche Zufriedenheit des Finanzministers und der übrigen Kabinettsrunde war allerdings recht einseitig. In der Öffentlichkeit überwog bald die Enttäuschung. Denn schon ein näherer Blick auf das Sparprogramm ließ Zweifel an der neuen Bonner Entschlossenheit aufkommen. 3,5 Milliarden Mark zum Beispiel waren nur dank eines simplen Rechentricks eingespart worden. Diese Summe nämlich wird für die Dauer von zwei Jahren aus der Kasse der Rentenversicherung in die der Bundesanstalt für Arbeit umverteilt. Dadurch wird der Bundeshaushalt vorübergehend von Zuschüssen an die Arbeitslosenversicherung entlastet.