Am 3. September verkündet die Regierung: Der Haushalt 1982 steht. Als Hans Matthöfer gefragt wird, ob sich dieses Sparprogramm in seiner Fraktion durchsetzen ließe, meinte er in einem Anflug von Galgenhumor: "Wir haben schon immer alles in der Fraktion durchgekriegt."

Doch viele Mitglieder der SPD-Fraktion sind alles andere als begeistert. Während Willy Brandt sie mahnt, nicht "nach symbolischen Siegen oder Niederlagen" zu urteilen, sprach Herbert Wehner vielen aus dem Herzen, als er sich in einem Brief über "perverse Zumutungen, die ohnehin finanziell bedrängten Arbeitslosen die Folgen der Beschäftigungsprobleme allein bezahlen zu lassen", verbreitete, wie es der "Wirtschaftsgraf" mit seiner "gesellschaftlichen Tendenzwende" geplant habe.

Von einem "Skandal" sprach die Bremer SPD, von einer "Vergiftung des sozialen Klimas" war in Hessen die Rede, und in Niedersachsen hörte man deftig, wie die Genossen die Operation ’82 empfanden: als "Tritt ins verlängerte Rückgrat".

Da die CDU sich mit der Erklärung beeilte, daß sie einige der geplanten Kürzungen im Bundesrat blockieren werde, bleibt vorerst ungewiß, ob die bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit strapazierte Koalition sich nicht ohnehin vergeblich abgemüht hat.