Rolf! Das war doch Rolf da drüben, dachte ich und mußte unwillkürlich an die jüngste Hiobsbotschaft in den Nachrichten denken. Hatte er mich tatsächlich nicht erkannt? Beherzt trat ich auf ihn zu. „Hallo, Rolf!“ rief ich, erkundigte mich aber nicht nach seinem Befinden. Das konnte ich mir in seiner jetzigen Situation ausmalen. Erleichtert stellte ich fest, daß er sich seinen Kummer kaum anmerken ließ. Tapfer, tapfer, unser alter Rolf, ließ den Kopf nicht hängen, daran könnte sich manch einer ein Beispiel nehmen.

„Ich habe Dich gesehen, aber ich dachte, es sei Dir irgendwie peinlich, mich jetzt zu treffen“, sagte er ganz sachlich.

„Aber Rolf!“ sagte ich und klopfte ihm mit einer etwas forcierten Munterkeit auf die Schulter, „gerade jetzt zeigt es sich doch, ob man echte Freunde hat...“

„Dann muß ich wohl die falschen Freunde erwischt haben“, meinte er mit einem leicht sarkastischen Lächeln.

„Kümmern sie sich nicht um dich?“ fragte ich besorgt.

„Sie meiden mich wie einen Aussätzigen. Zu der großen Party bei Kerns wurde ich neulich schon nicht mehr eingeladen.“

„Also da hast du wirklich nichts versäumt“, tröstete ich ihn, „die Party war lausig, ich lag schon um elf im Bett...“