Intelligenz schützt nicht vor Dummheit – Das große Bürgermeisterspiel (Schluß)

Von Dieter E. Zimmer

Simuliert wird das Leben. Der Computer nimmt Tausende von Variablen eines bestimmten Wirklichkeitsausschnittes auf: eines Betriebs, einer Kommune, eines Staatenverbundes. Die Variablen stehen untereinander in vielfältiger Beziehung. Die Versuchspersonen greifen in diese komplexen Systeme ein. Was sie tun, und mit welchen Zielen sie es tun, ist ihre Sache. Der Computer rechnet ihnen vor, was ihre Eingriffe alles bewirken. Wie verhalten sich Menschen in Situationen, die komplex und unbestimmt sind und darin den Situationen des Lebens nur allzu ähnlich? Was tun Menschen, wenn ihr System in eine Krise gerät? Was macht den guten Systemmanager aus und was den schlechten?

Das sind die Fragen, die sich eine psychologische Forschungsgruppe der Universität Bamberg um den Denkpsychologen Dietrich Dörner seit Jahren vorlegt. Gerade ist sie dabei, ihr großes Bürgermeisterspiel auszuwerten. 48 Versuchspersonen, Studentinnen und Studenten vieler Fachrichtungen, wurden für zehn Jahre, vom Computer zu einigen Wochen zusammengerafft, zu „Bürgermeistern“ der fiktiven deutschen Kleinstadt „Lohhausen“ ernannt: klein, aber dennoch unüberschaubar; friedlich und gesund, aber ohne Garantien für die Zukunft; regierbar, aber ohne sich ansehen zu lassen, wie und zu welchen Zielen hin regiert werden müsse.

Was hat sich dabei gezeigt?

Gezeigt hat sich, daß die „Bürgermeister“ tatsächlich höchst verschieden mit dem System umgehen. Den einen geriet „Lohhausen“ zu einem florierenden Gemeinwesen, die anderen hatten es in kurzer Zeit völlig ruiniert.

Welche Leute aber gehen gut mit einem solchen System um und welche schlecht? Die Ergebnisse haben die Psychologen selber überrascht.