Von Dieter Buhl

ZEIT: Zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten gibt es Meinungsverschiedenheiten über die weitere Gestaltung des Ost-West-Verhältnisses. Wo sehen Sie die Ursachen dafür?

Allen: Es scheint mir, daß in Deutschland die Ansicht wächst, die Vereinigten Staaten wollten gegenüber der Sowjetunion eine Politik der Härte und der Konfrontation verfolgen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Ich glaube, daß die Vorstellungen der Deutschen über die amerikanischen Absichten in dieser Frage nicht der Wirklichkeit entsprechen. Das führt zur Polemik und verhindert eine rationale Auseinandersetzung.

Wir Amerikaner haben unsere Vorstellungen über den Umgang mit den Sowjets drastisch geändert. Unser Verhandlungsansatz wird in erster Linie von den sowjetischen Absichten bestimmt. Wir halten dies für einen realistischen Ansatz. Wir erleben gewaltige Rüstungsanstrengungen der Sowjets. Dabei haben wir viele Jahre lang – unter republikanischen wie demokratischen Präsidenten – versucht, mit den Sowjets Verhandlungen zu führen, bei denen unser vorrangiges Ziel war, ihnen klarzumachen: Wir haben keine bösen Absichten. Diese Politik scheint nicht funktioniert zu haben.

ZEIT: Aber waren die Amerikaner mit den Ergebnissen der Entspannungspolitik nicht ganz zufrieden?

Allen: Diese Politik findet in der amerikanischen Öffentlichkeit eine stark reduzierte Unterstützung. Das Mandat, das Präsident Reagan im vergangenen November erhielt, enthält auch die klare Aufforderung an die Regierung, gegenüber der Sowjetunion einen realistischen Kurs einzuschlagen. Die neue Maxime der Verhandlungen mit den Sowjets lautete deshalb, bei aller Flexibilität unbedingt die amerikanischen Interessen zu wahren. Wie der Präsident immer wieder gesagt hat, werden wir uns mit den Sowjets so lange an einen Tisch setzen, wie es nötig ist, um einen sinnvollen, ausgewogenen und verifizierbaren Abrüstungsvertrag zu erreichen.

Ich glaube, Deutschland teilt diese Zielvorstellungen. Dennoch gewinnt man den Eindruck, als befürchte die Bundesrepublik, Amerika vernachlässige ihre besonderen Interessen als Frontstaat und zeige kein Verständnis für die wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Beziehungen, die Bonn logischerweise zum Osten und zur Sowjetunion unterhält.