Von Theo Sommer und Rolf Zundel

ZEIT: Der SPD-Vorsitzender Willy Brandt Hat jüngst erklärt, er könne nicht die Hand dafür ins Feuer legen, daß die Koalition noch bis 1984 hält. Würden Sie die Hand dafür ins Feuer legen?

Genscher: Ich habe in der letzten Woche gesagt und sage das heute: Nach meiner Überzeugung wird diese Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode fortgeführt. Jedenfalls wollen wir das. Wir fragen uns allerdings – und da meinen wir Erklärungen nicht nur eines führenden Sozialdemokraten – warum man Zweifel am Fortbestand der Koalition angestellt hat. Warum? Die Appelle des SPD-Vorsitzenden, das Gemeinsame nicht zu vergessen, gefallen mir da besser.

ZEIT: Sie haben Ihren Parteifreunden Ende August geschrieben, unser Volk stehe am Scheideweg. Stehen wir immer noch dort?

Genscher: Es hat in den Entscheidungen der letzten Woche eine deutliche Weichenstellung in die Richtung gegeben, die ich auch in diesem Brief vorgezeichnet habe: Wir brauchen eine deutliche Hinwendung zu mehr Selbstverantwortung, zu einer stärkeren Förderung privater Initiativen, zu Leistung und Anerkennung der Leistung, damit wir die Herausforderungen bestehen können, die unserem Land – aber nicht nur unserem Land – gestellt sind.

Wir haben veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen, deren deutlichstes Kennzeichen das zunehmende Eintreten der Staaten der Dritten Welt als gleichberechtigte Partner in die Weltwirtschaft ist. Dieser Wende dürften wir uns nicht entziehen, wir haben sie eingeleitet.

ZEIT: Bedeutet dies, daß die „Operation 82“ nur der Anfang weiterer Operationen ist? Graf Lambsdorff hat ja geschrieben, nur mit ein paar Veränderungen im Haushalt und der Novellierung einiger Sozialgesetze könnten die Probleme von morgen nicht gelöst werden.