Ägyptens Präsident Anwar el-Sadat hat den sowjetischen Botschafter Poljakow aufgefordert, das Land zu verlassen. Der ägyptische Geheimdienst will eine Verschwörung zum Sturz des Sadat-Regimes aufgedeckt haben.

Nach Angaben der regierungsnahen Zeitung Mayo reicht die Palette der am Komplott Beteiligten vom russischen Geheimdienst KGB über den amerikanischen CIA bis zum Weltkirchenrat und der Christlich demokratischen Union Deutschlands (CDU). Treibende Kraft der Untergrundorganisation sei die Sowjetunion, die in der Regierung Sadat das einzige Hindernis für eine kommunistische Machtübernahme im Nahen Osten sehe.

Die Ausweisung des Sowjetbotschafters folgt der Verhaftungsaktion vom 5. September, bei der über 1500 Personen festgenommen wurden. Den Verhafteten, unter ihnen, laut Kairo, „religiöse wie politische Fanatiker“, Juristen, Journalisten und Universitätsangehörige, wird pauschal vorgeworfen, an der Unterstützung sektiererischer Kampfmaßnahmen, der Untergrabung der nationalen Einheit und Gefährdung der Sicherheit mitgewirkt zu haben. Fünfzehn religiöse Organisationen wurden inzwischen aufgelöst, alle ihre Veröffentlichungen beschlagnahmt, 40 000 unabhängige Moscheen staatlicher Kontrolle unterworfen. Das Oberhaupt der Koptischen Kirche, „Papst“ Shenouda III., wurde von Sadat verbannt.

Mit seinem Referendum über die Maßnahmen zur Erhaltung des inneren Friedens sicherte Sadat sich ab: 99,5 Prozent der 43 Millionen Ägypter billigten vorige Woche die Politik ihres Präsidenten.

Sadat nennt seine jüngsten Aktionen eine „Säuberung“. Um sein Ansehen im Ausland zu wahren, lud er Journalisten und Korrespondenten in sein Heimatdorf zu einer Pressekonferenz ein. Seine Regierung basiere auf demokratischen Grundsätzen: „Keine Angst, es wird hier keinen neuen Chomeini geben.“

Wie weit es mit seinen Prinzipien her ist, demonstrierte Sadat eine Woche später. Nachdem zunächst ein amerikanischer Fernsehreporter ausgewiesen worden war, förderte der Präsident am Wochenende den Korrespondenten der französischen Zeitung Le Monde, Jean Pierre Parconel-Hugozauf, innerhalb von fünf Tagen das Land zu verlassen.

BeM