Am Samstag versammelt sich der Vorstand der Industriegewerkschaft Metall zu seiner traditionellen Herbst-Klausurtagung, um die Tarifrunde des nächsten Jahres vorzubereiten.

Klipp und klar hat sich bisher nur Heinz Kluncker geäußert, der Vorsitzende der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr: „Es wird keine Verlängerung der bis zum 28. Februar 1982 geltenden Tarifverträge geben“ – so wie es die Bundesregierung im Zusammenhang mit den Bemühungen um die Sanierung der Staatsfinanzen wünschte. Doch welchen Lohnzuschlag er sich vorstellt, ließ er offen.

Auch Eugen Loderer, der Chef der IG Metall, blieb recht unpräzis, als er auf der Neunzig-Jahr-Feier seiner Gewerkschaft davon sprach, daß eine Sanierung der Wirtschaft auf dem Weg größerer Reallohneinbußen unzumutbar sei. Liegt der Akzent nun auf „Reallohneinbußen“ oder auf „größerer“?

Sicher sind sich nur vier der „Fünf Weisen“ des Sachverständigenrats, die in ihrem wissenschaftlichen Elfenbeinturm „schon heute mit größter Besorgnis an die nächste Lohnrunde denken“ (so in ihrem Sondergutachten vom Juli). Für sie ist es klar, daß die Lohnpolitik dieses Jahres nicht dazu beigetragen habe, mehr Produktion und Beschäftigung zu sichern. In klarem Deutsch heißt das wohl, daß sie der Lohnpolitik eine gehörige Portion Schuld an der hohen Arbeitslosigkeit (gegenwärtig eineinviertel Millionen) geben.

Angelpunkt der Diskussion sind immer wieder die Investitionen. Die Unternehmen brauchen Gewinne, um Investitionen zur Sicherung vorhandener und Einrichtung neuer Arbeitsplätze bezahlen zu können. Das ist richtig, aber die Lohnpolitik ist zweifellos überfordert, wenn sie dies allein erreichen soll.

Wird ein Textilfabrikant zusätzliche Investitionen vornehmen, seinen Betrieb gar ausweiten, selbst wenn die Textilgewerkschaft auf Lohnerhöhung verzichtet? Er wird es nicht tun, solange er seine Märkte an die Importe aus Drittländern verliert, gegen die deutsche Arbeiter nur konkurrieren können, wenn sie ihren Lebensstandard auf den der Hongkong-Chinesen senken.

Unabhängig von der Lohnverhandlung aber wird die deutsche Automobilindustrie in den nächsten Jahren gut dreißig Milliarden Mark investieren, um auf den Weltmärkten der japanischen wie der amerikanischen Herausforderung zu begegnen und ihre Position zu sichern. Und trotz dieser Rieseninvestition wird die Zahl der Beschäftigten in der Branche schrumpfen.