ZEIT: Herr Pieroth, nach wenigen Monaten Amtszeit als Wirtschaftssenator kommt für Sie aus Bonn eine Hiobsbotschaft. Die Berlin-Förderung soll um 235 Millionen Mark gekürzt werden.

Pieroth: Alle politischen Kräfte der Stadt – von der Industrie- und Handelskammer bis zum Deutschen Gewerkschaftsbund – sind mit mir einer Meinung. Die vorgesehene Kürzung trifft Berlin in einer Zeit, in der noch eine Reihe psychologischer Probleme in der Stadt abzubauen sind.

ZEIT: Aber der Bundesfinanzminister steht nun einmal unter Sparzwang.

Pieroth: Über die kurzfristige Wirkung hinaus hat diese Streichung eine langfristig noch schädlichere Wirkung. Wir waren jetzt endlich in Berlin quer durch die Parteien und die wirtschaftlichen Organisationen einig, daß wir die Berlin-Förderung wirksamer und sparsamer gestalten sollten, das Schwergewicht auf die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze legen müssen. Jetzt sagt auch der Berliner DGB-Chef Michael Pagels, daß uns durch eine Kürzung der Berlin-Förderung um 235 Millionen Mark Hände und Füße derart gebunden werden, daß an eine Umstrukturierung kaum noch zu denken ist. Sie sollte aber nach Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bei größerer Effizienz auf Dauer hundert Millionen Mark pro Jahr sparen.

ZEIT: Es heißt zwar immer, alle müssen Opfer bringen. Aber keiner will damit anfangen.

Pieroth: Alle wäre ja gut – aber nicht, regional gesehen, Berlin allein.

ZEIT: Matthöfer verteidigt die Kürzung aber damit, daß die Zuschüsse für Berlin mit 4,8 Prozent immer noch schneller steigen als der Bundeshaushalt, der nur um 4,2 Prozent wächst.