Wer unterwegs aus einem Flugzeug aussteigen will, sollte einen Fallschirm haben – und eine entsprechende Ausbildung.

Vor dem ersten Sprung aus den Wolken jedoch müssen recht bodenständige Aufgaben erfüllt werden. Der angehende Fallschirmspringer braucht eine Unmenge Bescheinigungen, so ein polizeiliches Führungszeugnis, ein fliegerärztliches Tauglichkeitsattest, eine Teilnahmebestätigung des Deutschen Roten Kreuzes über „Sofortmaßnahmen am Unfallort eine Kopie der Geburtsurkunde und mindestens zwei Paßbilder. Wer das alles zusammengetragen hat, muß zudem – wenigstens beim Fallschirmsportclub Holstein – „ein Mindestmaß an körperlicher Kondition nachweisen“: durch 100- und 5000-Meter-Lauf, durch Klimmzüge und Liegestütze. All jene, die da immer noch nicht schlappgemacht haben, können mit Teil eins des Lehrplans – der Vorbereitung auf den ersten Sprung – beginnen. Die Bodenausbildung umfaßt unter anderem Luftrecht-, Luftverkehrs- und Flugsicherungsvorschriften, Meteorologie, Fallschirmkunde und Landefallübungen. Auch wie der Fallschirm sachgemäß verpackt wird, müssen die Sprung-Eleven erst einmal lernen, ein ganz wichtiges Unterrichtsfach, wenn man bedenkt, was alles davon „abhängt“. Die theoretische Schulung findet – im Sportclub Holstein – an drei Wochenenden, täglich von 8 bis 17 Uhr, statt. Die nächste Stufe ist die „automatische“ Sprungausbildung, so genannt, weil sich der Fallschirm durch eine am Flugzeug befestigte Aufziehleine öffnet und der Schüler sich lediglich darum zu kümmern hat, möglichst geschickt zu landen. Die vorgeschriebene Sprunghöhe ist immerhin 600 Meter. Beim letzten Teil, der „manuellen“ Ausbildung, muß man dann selbst an der Reißleine ziehen.

Die abschließende Prüfung findet nach etwa drei bis sechs Monaten Lehrzeit vor dem Prüfungsrat der zuständigen Luftfahrtbehörde statt. Die Ausbildungskosten sind in den einzelnen Vereinen unterschiedlich. Durchschnittlich müssen veranschlagt werden: 100 bis 200 Mark Aufnahmegebühr, 10 bis 12 Mark Monatsbeitrag, Sprunggebühren inklusive Leih-Fallschirm für den automatischen Absprung bis zu 10, für den manuellen Sprung bis zu 20 Mark. Zusammengerechnet sind das für die Grundschulung mit zehn automatischen Absprüngen etwa 500 bis 600 Mark, für zehn manuelle Sprünge zusätzliche 150 bis 250 Mark.

Auch für die Ausrüstung muß man mit rund 450 Mark rechnen. Dazu gehören Stiefel, Sprungkombination, Helm, Schutzbrille, Handschuhe und ein Höhenmesser. Der Fallschirm wird den Schülern für die Ausbildungszeit geliehen. Wer sich später einen eigenen zulegen will, muß rund 3500 Mark ausgeben.

Einige Sportclubs bieten auch Ferienkurse an. Auskünfte über Kosten und Dauer erteilen die jeweiligen Landesreferenten, eine Adressenliste verschickt der Deutsche Aero Club, Lyoner Straße 16, 6000 Frankfurt 71, Tel. (06 11) 66 67 31. Brigitte Wolter