„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan; der Mohr kann gehen.“ Mit diesem geflügelten Wort wird auf dem Bonner Lobbyisten-Parkett die Schließung des Bonner Flick-Büros kommentiert. Die Flick-Zentrale in Düsseldorf ordnete die Schließung der Verbindungsstelle zum Jahresende an. Über die genannten Gründe – Sparsamkeit – wird in Bonn nur gewitzelt, Allzu offenkundig ist nämlich, wie rasch die Büroschließung nach dem Bonner Steuerbescheid für Flick verordnet wurde.

Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Finanzminister Hans Matthöfer hatten erst vor kurzem entschieden, der von Flick beim Verkauf des Daimler-Benz-Paketes erzielte Erlös könne steuerfrei bleiben, weil Flicks Reinvestition beim Gerling-Konzern volkswirtschaftlich erwünscht gewesen sei. Da die Kasse bei Flick nun wieder stimmt, braucht man die Bonner Verbindungsleute nicht mehr.

Verbindungsstellen-Leiter Walter Schmitz muß nun einen neuen Job suchen. Er gehört übrigens zu der seltenen Spezies Mensch, die freiwillig auf alle Beamten-Privilegien verzichtet haben. Ehe Schmitz 1970 zu Flick ging, war er Beamter im Innenministerium und dort mit innenpolitischen Grundsatzfragen beschäftigt. Im nun aufgelösten Flick-Büro Bonn war er seit 1974.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Heide Simonis findet es „unglaublich“, wie offensichtlich die Beamten-Spitze des Verteidigungsministeriums ihren Minister Hans Apel immer wieder in die Klemme bringt.

Der jüngste Fall: Das Ministerium hat vor kurzem einen Vertrag über das vierte Fertigungslos für das Kampfflugzeug „Tornado“ abgeschlossen, ohne zuvor die Genehmigung des Haushaltsausschusses im Bundestag; einzuholen. Dabei hatte der Haushaltsausschuß dem Minister vor einigen Monaten klar zu verstehen gegeben, künftig müßten alle Verträge mit Abschlüssen über 50 Millionen Mark vorher mit dem Haushaltsausschuß erörtert werden. Bei dem neuen Vertragsabschluß im Rahmen des „Tornado“-Beschaffungsprogramms geht es aber nicht um Millionen, sondern um Milliarden und zwar um fünf.

Wie die Abgeordnete Simonis berichtet, hat sich Rüstungsstaatsekretär Klaus-Dieter Leister mit Interpretationsschwierigkeiten herausgeredet. Das Verteidigungsministerium habe den Beschluß des Haushaltsausschusses mit auf neue Beschaffungsprogiamme nicht jedoch auf bestehende bezogen. Leister bat darum, der Ausschuß möge seine Vorstellungen nun noch genauer präzisieren. Heide Simonis: „Das können die haben.“ Ob das hilft, sei fraglich. Das Durcheinander auf der Hardhöhe sei inzwischen so groß, „daß keiner mehr richtig durchschaut“.

Die Abgeordnete Simonis: „Es ist schon ärgerlich, wie wir den Beamten die Würmer aus der Nase ziehen müssen und die dann selbst erst auf das aufmerksam werden, was sie tun bzw. getan haben.“ Die Empfehlung der Parlamentarierin an Minister Apel: „Er sollte allen die Prokura entziehen.“ Schade nur, daß das im Beamtensystem so einfach nicht geht.