Selbst unter seinesgleichen, den Architekten, kannten nur wenige seinen Namen; und „berühmt“ (wie etwa Scharoun oder Eiermann) war er erst recht nicht, obwohl er in seiner Sparte Einzigartiges vollbracht hat: Gerd Lohmer war der hervorragende Brückenarchitekt der Nachkriegszeit in Deutschland. Er war es geworden, weil er davon überzeugt war, daß man das Brückenbauen den Ingenieuren nicht überlassen dürfe. „Selten“, sagte dazu der Ingenieur Fritz Leonhardt, oft der kongeniale Partner Lohmers, „ist beim Ingenieur künstlerische und konstruktive Begabung vereint“, und eine logisch richtig konstruierte Brücke sei nicht deswegen schon schön. Eben dies hatte den Architekten Lohmer herausgefordert. „Alle künstlerischen Probleme, die beim Bau einer modernen Brücke auftreten“, schrieb er, „können nur vom gestaltenden Architekten gelöst werden“, jedoch: „am besten gemeinsam mit dem rechnenden Ingenieur.“ Lohmer ist der Gestalter einiger der schönsten Rheinbrücken (in Bendorf, Köln, bei Düsseldorf), er hat die Brücken über den Fehmarnsund und den Mangfall entworfen und viele andere mehr, abgesehen von den oft besonders eleganten und couragierten Brückenentwürfen (für den Tejo in Lissabon, den Douro in Porto oder den Bosporus), denen schließlich traditionelle Entwürfe vorgezogen wurden. „Allerdings“, das hatte er auch gewußt, „kann die beste Gemeinschaftsarbeit (von Ingenieur und Architekt) nur Erfolg haben, wenn der Bauherr selbst Verständnis und Wagemut für kühne und neue Konstruktionen besitzt und auch bereit ist, für den Fortschritt und die Schönheit finanzielle Opfer zu bringen.“ Damit hatte auch der viel geehrte Gerd Lohmer seine stete Not gehabt. In der vergangenen Woche ist der Brückenarchitekt, 72 Jahre alt, gestorben. M. S.