Von Erika Martens

Wenn sie sich vornehm ausdrücken wollen, sprechen sie von „Bartprämie“; sind Frauen aber unter sich, fällt die Beschreibung des „kleinen Unterschieds“ meist sehr viel drastischer aus. Doch egal, welches Etikett die Damen benutzen, sie meinen das gleiche: die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern.

Diese gibt es in der Bundesrepublik noch immer, obwohl das Grundgesetz, das EG-Anpassungsgesetz von 1980 und zahlreiche internationale Abkommen eine solche Diskriminierung von Frauen verbieten. Doch Papier ist geduldig und Gesetze – so der Volksmund – sind schließlich dazu da, daß man sie umgeht.

Jüngstes Beispiel für solche Kunstfertigkeit: das Verfahren von 28 Laborhelferinnen der Gelsenkirchener Photofirma Heinze, das in der letzten Woche vor dem Bundesarbeitsgericht in Kassel verhandelt wurde. Zwar bekamen die Klägerinnen mit ihrer Förderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit dort recht, doch immerhin währte ihr Kampf um eine übertarifliche Zulage, die ihren männlichen Kollegen ohne weiteres zugestanden worden war, länger als drei Jahre.

Auf dem Weg durch die Instanzen hatten die aufmüpfigen Arbeiterinnen dabei auch eine Niederlage einstecken müssen: Die zweite Instanz, das Landesarbeitsgericht in Hamm, wies vor zwei Jahren ihre Beschwerde ab.

Um so größer ist nun die Freude über den endgültigen Sieg: Firmenchef Heinze muß seinen Laborhelferinnen die außertarifliche Zulage von 1,50 Mark die Stunde nachzahlen und die Nachzahlung auch noch verzinsen.

Den Kasseler Richtern leuchtete nicht ein, daß die Männer, die auch in der Nachtschicht arbeiten – und dafür eine entsprechende Nachtschichtzulage erhalten –, darüber hinaus noch weitere Zuschläge kassieren. Denn abgesehen von der teilweise unterschiedlichen Arbeitszeit (gewerbliche Arbeitnehmerinnen dürfen nach der Arbeitszeitordnung keine Nachtarbeit leisten) waren die Tätigkeiten von Männern und Frauen im Heinze-Labor absolut gleich.