Von Walter Claßen

„Erfinder ist ein Beruf, den man nicht lernen kann. Deshalb ist er selten. Heute gibt es ihn überhaupt nicht mehr. Heute werden die Dinge nicht mehr von Erfindern erfunden, sondern von Ingenieuren und Technikern. Von Schreinern auch. Von Architekten und Maurern. Aber die meisten erfinden nichts.“ (Peter Bichsel, Kindergeschichten)

Auf Frank Stelzers Briefbögen steht „Erfinder und Konstrukteur“. Im Fenster seiner Werkstatt in einem Hinterhof im Frankfurter Nordend hängt leicht schief ein graviertes Namensschild: „Düsentrieb“.

Anfang der sechziger Jahre hat Frank Stelzer einen Motor erfunden und diesen Motor gebaut, weil er sich sagte: „Ein Erfinder ist ein Spinner; es sei denn, die Sache spricht.“ Stelzer nannte seine Erfindung „Motor ohne Mechanik“. Sieben Scheiben werden zum Motorblock zusammengeschraubt, das achte Stück ist der Kolben. Das Ganze ist in der Konstruktion verblüffend simpel.

Als der erste Prototyp lief, die Sache „zu sprechen“ anfing, glaubte Stelzer, die schwerste Arbeit hinter sich zu haben. Bis er merkte, daß die Industrie von dem Motor nicht begeistert war. Stelzer glaubt: wegen der Einfachheit. „Es war meistens so, daß die Konstrukteure aus den Versuchsabteilungen, die den Motor sahen, begeistert waren, aber es nie schaffen konnten, ihre Aufsichtsräte davon zu überzeugen.“ Frank Stelzer sagte sich: „Fabrikanten sind keine Erfinder, damit mußt du dich abfinden, und du mußt sie verstehen. Fabrikanten versuchen, so lange etwas zu verkaufen, wie es gekauft wird, weil jede Umstellung Geld kostet. Ich sagte mir, ich muß den Motor technisch so weit realisieren, bis niemand mehr daran vorbeigehen kann...“

Seit Herbst 1980 steht der vorerst letzte Prototyp in der Mitte von Stelzers Werkstatt, dahinter das Schmiedefeuer vom Vorbesitzer. An der rechten Wand Bodengruppen und Teile mehrerer Schrottautos, die beim besten Willen nicht weiter auszuschlachten sind; gleich rechts neben dem Eingang eine elektrische Bügelsäge, gegenüber Bohrmaschine und Bohrständer aus Zeiten der Jahrhundertwende und eine Drehbank, für die Stelzer Schrottwert bezahlte. Ob der Boden aus Estrich ist oder nur festgetretene Erde, ist nicht mehr zu sehen, er ist schwarz von Öl und übersät mit Spänen aus der Drehbank. Überall schimmern durch den Dreck Schrauben, Muttern, blanke Kabelteile und sicherlich mehrere Schlüsselsortimente.

Eine Umgebung, in der Spitzweg den „armen Erfinder“ hätte ansiedeln können. Eine Werkstatt, deren Kapital in allen Betrieben längst abgeschrieben wäre, heute allenfalls noch den Ansprüchen eines Hufschmieds genügend.