Die Sozialdemokraten sind gegen das Nato-Konzept meist da, wo sie nicht regieren

Von Rudolf Walter Leonhardt

Bei den norwegischen Wahlen siegten die bürgerlichen Parteien. Sie siegten, weil die Mehrheit der Norweger enttäuscht ist von einer sozialdemokratischen Regierung, die den neuerlichen Reichtum an Erdöl aus der Nordsee nicht zu nutzen wußte. Die Wirtschaft stagniert, die Inflation liegt bei 14 Prozent, Tendenz steigern. In Skandinavien gibt es jetzt ein Übergewicht an konservativen Regierungen, die als eher amerikafreundlich, natofreundlich, rüstungsfreundlich gesehen werden wollen. Die Sozialdemokraten in Norwegen jedoch wollen den Kampf um eine "atomwaffenfreie Zone" erst jetzt richtig aufnehmen.

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Immer wieder muß der Norden Europas dazu herhalten, die Stichwörter zu liefern für nicht ausreichend strammes Verhalten. Da gab es zunächst den alten Ladenhüter "Finnlandisierung"; ihm nicht sehr originell nachgebildet wurden "Finnmarkisierung" und "Dänemarkisierung". Dazu kam als neuestes "Skandilux".

Das Wort entstand Ende vergangenen Jahres und soll eine Zone überwiegend protestantischer Länder bezeichnen, die durch den Wunsch verbunden werden, auf Atomwaffen zu verzichten. Diese Zone umfaßt, so heißt es, Skandinavien und die Benelux-Länder.

Wer unvorsichtig genug ist, sich die Welt anzusehen, statt sich nur "informieren zu lassen", dem kommen die feinen Schlagwörter schnell abhanden – wie jener CDU-Delegation, die vor kurzem nach Finnland reiste und feststellen mußte, daß es dort ängstliche Beschränkungen der politischen Freiheiten mit Rücksicht auf die Sowjetunion, also "Finnlandisierung", gar nicht gibt.