Warum verlassen Sie Paris und das Centre Pompidou?

Hulten: Ich bin schon länger hier als ich mir je vorgestellt hatte. Ich hatte mit der Regierung und mir selber die Übereinkunft getroffen, fünf Jahre zu bleiben. Ich dachte, daß sei ein guter Zeitraum, der mir erlauben würde, hier vor der Eröffnung, nach der Eröffnung und etwas länger zu arbeiten. Nun sind es acht Jahre, und ich denke, das reicht.

Bei der Gründung des Beaubourg sagten Sie, daß Museen keine „Stätten zur Konservierung von Kunstwerken sein sollen, deren Funktion unwiderruflich verloren ist, sondern Stätten, an denen Künstler der Öffentlichkeit begegnen können, und wo die Öffentlichkeit selbst kreativ werden kann“. Glauben Sie das immer noch?

Halten: Ein Museum zu besuchen, ist ein kreativer Akt. Darum wird man auch so müde, wenn man im Museum ist, es liegt nicht am Staub. Staub macht nicht müde. Das verursacht der kreative Akt des Ansehens von Dingen, der Versuch zu verstehen, besonders das Konsumieren einer so großen Anzahl von Werken – manchmal mehr als tausend. Jedes davon wirft eine andere Frage auf. Natürlich wird man dadurch außerordentlich müde. Das ist der kreative Akt.. Aber das meinte ich nicht, als ich damals diese Dinge sagte. Man wird ja nicht nur müde, sondern auch inspiriert. Die Leute sagen dann, das kann ich auch, meine Kinder können das, jeder könnte so etwas herstellen. So drücken sie aus, daß sie inspiriert wurden. Diese Inspiration könnte sicher kanalisiert werden. Und das Museum könnte der richtige Ort dafür sein. Ich meine nicht, daß man den Leuten Pinsel und Farbe geben sollte, aber vielleicht Werkzeuge, die sie selbst nicht erwerben können, weil sie zu teuer oder Zu kompliziert sind. Dies ist ein alter Traum. Ihn zu realisieren, braucht es allerdings ein sehr anderes politisches Klima als das, was wir gerade haben. Vielleicht gab es das Klima in

den frühen Sechzigern noch. Die Leute waren damals nicht so aggressiv; die moderne Gesellschaft hat eine sehr aggressive Seite bekommen. Darum ist es auch nicht leicht, jemandem komplizierte Werkzeuge in die Hand zu geben. Trotzdem ist es eine gute Sache, ein guter Traum.

Niemand würde diesen Traum in Verbindung mit der Wissenschaft haben. Da akzeptiert jeder, daß man eine Ausbildung braucht, um arbeiten, um irgendwo mitmachen zu können. Wieso glauben die Leute, die Kunst organisieren – oder auch die Künstler selbst –, daß Kunst und der Zugang zu ihr leicht ist?

Halten: Glauben Sie nicht auch, daß es das Ziel der Kunst ist, eine Quelle der Inspiration zu werden? Warum sollte das aufhören?