Als Ende August das Stöckchen des Spar-Dirigenten Matthöfer auf die zwölf Duty-free-Shops der Bundesrepublik und Westberlins zeigte, sahen viele Urlaubs- und Geschäftsreisende ein schönes Privileg entschwinden. Nun präsentiert Matthöfer ein scheinbar anderes Konzept.

Ursprünglich hatte der Finanzminister einen großen Coup geplant: Reisende, die von der Bundesrepublik aus Zielflughäfen innerhalb der EG ansteuern, sollten in den Duty-free-Shops, den zollfreien Läden auf Flughäfen, nicht mehr einkaufen dürfen.

Von Anfang an war ziemlich unklar, was diese Sparmaßnahme unter dem Strich eigentlich bringen würde. Der grob geschätzte Umsatz in den zwölf Duty-free-Shops beläuft sich auf 150 bis 180 Millionen Mark jährlich. Der betroffene Umsatzanteil (Käufe von Reisenden in EG-Ländern) macht etwa 50 Prozent aus. Von diesen rund 75 bis 90 Millionen Mark kassiert der Staat etwa 15 Millionen Mark Mehrwertsteuer. Die allerdings wären verlorengegangen.

Weitaus gewichtiger für die Neufassung dieses Spar-Stücks war aber die Drohung der Shop-Betreiber, daß die Umsatzeinbuße Massen-Entlassungen zur Folge haben würde. 5000 Arbeitnehmer sind direkt oder indirekt von den Duty-free-Shops abhängig. Jeder zweite hätte um seinen Arbeitsplatz bangen müssen.

Die Berliner Flughafen-Gesellschaft rechnete dem Bund schließlich noch vor: „Die. deutschen Verkehrsflughäfen erzielen aus den Duty-free-Shops pro Jahr insgesamt circa 56 Millionen Mark in Form von Mieten, Konzessionsabgaben und ähnlichem). Gesellschafter und Aktionäre der deutschen Flughafengesellschaften sind aber ausschließlich Bund, Länder und Gemeinden. Was also den Flughafen-Gesellschaften auf diese Weise verloren geht, haben die Gesellschafter unmittelbar zu ersetzen. Damit muß diese Sparmaßnahme zu einem Eigentor für ihre Erfinder werden.“ Ein Eigentor ist fürs erste nicht geschossen worden.

Vorausgesetzt, daß die mitbetroffenen Bundesressorts (Justiz; Wirtschaft; Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; Verkehr) mitziehen, wird am 1. 1. 1982 nur noch eine „kleine“ Änderungsverordnung des Finanzministers in Kraft treten: Reisende, die aus EG-Ländern kommen, werden zollfreie Waren, die sie in den ausländischen Duty-free-Shops und an Bord der Flugzeuge gekauft haben, auf deutschem Boden nachverzollen müssen. Ein Sprecher des Finanzministeriums: „Wir schätzen ganz grob, daß uns durch die bisherige Eingangsabgabenfreiheit, im, Flugverkehr etwa 80 Millionen Mark pro Jahr verloren gingen.. Wir erwarten durch die Nachversteuerung Mehreinnahmen von 43 Millionen Mark.“ Aber auch diese 43 Millionen Mark sind umgeben von lauter Fragezeichen. Denn die Kalkulatoren spekulieren ja offensichtlich auf Schmuggel-Fans und auf Menschen, die im Duty-Kaufrausch nicht rechtzeitig nachrechnen. Den meisten Reisenden nämlich wird bald klar werden, daß das Mitschleppen von Schnaps, Zigaretten oder Parfüm nicht lohnt, weil der Zoll die Waren so teuer macht wie im Einzelhandels-Geschäft um die Ecke. Es drängt sich dafür aber eine ziemlich unerfreuliche Vision ins Bild: Da stehen in langer Reihe Hunderte von Passagieren aus Rom, London oder Paris und warten darauf, vor den Zollbeamten endlich ihre Koffer zu öffnen...

Die bundesdeutsche Sparmaßnahme wird nicht nur vielen Reisenden Ärger machen. Die Aktion wird auch bei den EG-Partnern zu Verstimmungen führen. Es gibt (auf Grund der Klage des Hamburger Finanzgerichts) ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das alle EG-Länder eigentlich zu der gleichen Maßnahme verpflichtet, die der Bonner Finanzminister jetzt geplant hat. Wer nur innerhalb der EG reist, dürfte demnach entweder erst gar keinen Zutritt zu den Läden haben oder er müßte, in welchem Ankunftsland auch immer, den billigen Einkauf nachverzollen. Aber die anderen Länder haben es nicht so eilig mit entsprechenden Verordnungen.