Die Aktien der IG Farbenindustrie AG in Abwicklung, kurz IG Liquis genannt, zählen zu den heißesten Spekulationspapieren der deutschen Börse, in diesem Jahr bewegte sich ihr Kurs zwischen 6,50 und 14,50 Mark. Hier war also viel Geld zu verdienen – und zu verlieren. Seit einiger Zeit wird durch „gezielte“ Informationen versucht, den Preis der Aktien wieder nach oben zu drücken. Werden nur Dumme gesucht?

In den letzten Tagen flatterte den deutschen Banken ein Papier auf den Tisch, das gleich zwei Absender hatte. Einmal Heinz Saerberg von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen e. V., Frankfurt, zum anderen die Intergrund Grundstücksgesellschaft mbH & Co KG, Köln, ein Unternehmen der Kölner Rüger-Gruppe.

Kernstück des „Informationsblattes“ ist die Photokopie eines Fernschreibens, mit dem Intergrund den Lausanner Finanzmakler Alfred Grey zu einem Gespräch nach Köln einlädt: Um was es dabei gehen sollte, offenbart Saerberg, nämlich um den Beginn der Verkaufsverhandlungen über das Paket an IG Liquis, das die Kölner Rüger-Gruppe durch ein Übernahmeangebot im Jahre 1979 auf eine Mehrheitsbeteiligung an der IG Farben AG aufgestockt hatte. Rüger bot damals 3,25 Mark je Anteil. Heute schwankt dessen Börsenwert zwischen neun und zehn Mark.

Tatsächlich haben in Köln Gespräche stattgefunden. Ob sie den Namen Verhandlungen verdienen, mag dahingestellt bleiben. Daß die Majorität der IG Farben bei einem „angemessenen“ Preis zum Verkauf steht, ist wohl anzunehmen. Denn goldene Berge lassen sich mit ihrem Besitz nicht verdienen.

Ausschüttungen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Bis 1998 muß aus den Liquidationserlösen jährlich ein Betrag von 500 000 Mark für Versorgungsleistungen an ehemalige Mitarbeiter des alten IG-Farben-Konzerns aufgebracht werden. Daneben gibt es noch ungeklärte Ansprüche ehemaliger Häftlinge, die während des Krieges in den Betrieben des Konzerns arbeiten mußten, und noch andere Liquidationsrisiken.

Eine endgültige Liquidation, verbunden mit der Restausschüttung des noch vorhandenen Vermögens, wie sie Von Dr. Renatus Rüger zunächst wohl angestrebt worden war, ist vorerst nicht erreichbar. Die in dieser Materie liegenden Schwierigkeiten hatten vor ihm schon andere Leute unterschätzt. So der Hamburger Vermögensverwalter Bernd Günther, Alleinvorstand der VA Vermögensverwaltungs-AG, Gronau, der seinerzeit die Abwicklung „progressiv“ betreiben wollte. Sein Hauptmitstreiter, der Textilindustrielle Ludwig Kuttner, verlor aber bald die Lust an dem Geschäft und verkaufte seine Stücke an Rüger. Der wiederum band die Anlagepolitik der IG Farben i. L. zum Teil in die Immobiliengeschäfte seiner Gruppe ein. Damit scheint die Gesellschaft bisher auch nicht schlecht gefahren zu sein.

Allen Beteiligten dürfte aber indessen klar geworden sein, daß die Vermögensgeschäfte der Liquidatoren – mögen sie auch noch so erfolgreich betrieben werden – keine ausschüttungsfähigen Erlöse bringen können und damit auch keine Anregungen für den Kurs der IG Liquis. Denn: was soll man mit einem Papier, das für einen überschaubaren Zeitraum nichts Bares bringt?