Bundeswehr im Unterricht

Von Hermann Giesecke

Wenn das Volk unwillig wird, muß es in den Schulen wieder zur richtigen Gesinnung geführt werden. Seit Kaiser Wilhelms Versuch, die Schule gegen die Sozialdemokratie zu mobilisieren, ist dieser Politiker wünsch lebendig geblieben. Davon ist in diesen Tagen wieder einmal die Rede.

Nach den öffentlichen Auseinandersetzungen über Gelöbnisse und Traditionserlasse, über Wehrdienst und Ersatzdienst und angesichts der anschwellenden „Friedensbewegung“ möchte Verteidigungsminister Hans Apel die Bundeswehr und die Verteidigungspolitik besser in den Schulen gewürdigt sehen. Eine Kommission der Kultusminister soll entsprechende Richtlinien erarbeiten, ein erster Entwurf aus dem baden-württembergischen Kultusministerium ist vorzeitig bekannt geworden.

Nun wäre es weder fair noch der Sache dienlich, Einzelheiten dieses Arbeitspapiers zu diskutieren, solange dafür noch niemand die politische Verantwortung übernommen hat. Vorzugehen ist aber rechtzeitig gegen die technokratische Mentalität von Politikern und Bürokraten, die nach dem Motto handeln: Wenn wir schon die ganzen Schulen bezahlen (das tun in Wahrheit die Steuerzahler), dann wollen wir auch die richtigen Ergebnisse sehen.

Selbstverständlich gehören die Themen Bundeswehr und Verteidigung in den politischen und historischen Unterricht. Aber die vorliegenden Richtlinien schreiben dies entweder bereits vor oder lassen, es zu, neue Erlasse sind da also überflüssig, Gewiß ist alles zu begrüßen, was der besseren Information der Lehrer dient, und nützlich wäre zum Beispiel, wenn das Verteidigungsministerium seine Sicht der Dinge für Schüler verständlich formulieren und solche Texte den Schulen für den Unterricht zur Verfügung stellen würde. Aber abwegig – und zum Glück auch nicht so einfach realisierbar – ist die in dem baden-württembergischen Entwurf zum Ausdruck kommende Vorstellung, diese Themen für die Lehrerbildung und die Lehrerprüfung verbindlich zu machen. Dann müßte man auch die übrigen Teile des Studiums verbindlich inhaltlich regeln–und das wäre das Ende einer wissenschaftlichen Ausbildung.

Gewiß sollten Jugendoffiziere in den Schulen mit Schülern diskutieren – aber auch andere Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Je mehr. „Realkontakte“ der Schüler bekommt, um so weniger wird er das Opfer einer didaktischen Inzucht in den Schulen. Und insofern so etwas rechtlich und finanziell geregelt werden muß, mag dies auch in einem Erlaß geschehen.