Vergnüglich

„Condorman“ von Charles Jarrott ist ein Familienfilm, geschickt zugeschnitten auf die Konzeption der Disney-Produktion. Es scheint, als habe Jarrott, ein Spezialist für prunkvoll ausgewalzte Langeweiler („Königin für 1000 Tage“, 1969; „Jenseits von Mitternacht“, 1977), endlich einmal ein angemessenes Sujet gefunden. Nach Motiven des Spionageromans „The Game of X“ von Robert Sheckley, der einschlägige Muster von „Unser Mann in Havanna“ bis „Goldfinger“ intelligent ironisierte, wurde durch Zuordnung der Titelfigur zur Welt der Comics – der unfreiwillige „Held“ Woody Wilkens ist selbst Zeichner von Comic Strips – eine nach Comic-Dramaturgie aufgebaute Parodie im Agentenmilieu. Vornehmlich bei Verfolgungsjagden rettet sich Woody wie sein Serienheld „Condorman“ aus jeder Situation. Michael Crawford, der sich hier nach achtjähriger Filmpause vom weißen Kaninchen in „Alice im Wunderland“ (1972) zum Vogelmenschen mauserte, spielt diesen Condorman mit entwaffnender Blauäugigkeit als: 007 mit anheimelndem Woody-Allen-Touch – erfolgreich unterstützt von der liebevoll karikierten Nachzeichnung genrespezifischer Klischeefiguren: Oliver Reed als grimmiger KGB-Boß, Barbara Carrera als aufreizend hübsche Überläuferin und James Hampton als bieder-nüchterner CIA-Mann. Ein amüsanter Westentaschen-„Bond“, der das große Vorbild zwar nicht in puncto technischer Virtuosität, doch im Mangel an Ernsthaftigkeit durchaus in die Tasche steckt Helmut W. Banz

Melancholisch

Yukon“ von Peter Hunt beginnt mit einem Insert, das behauptet, der Film beruhe auf einer wahren Geschichte. Das läßt Schlimmes befürchten. Die dann folgende Parallelmontage verstärkt diese Befürchtungen noch: Hubschrauberaufnahmen einer unberührten Landschaft wechseln zusammenhanglos mit Detailaufnahmen eines Reiters ohne Gesicht und mit hektisch geschnittenen Bildern von einem Hundekampf. Doch danach wird der Film ruhiger. Die Kamera arbeitet von einigen manieristischen Kamera-Spielereien abgesehen eher mit dem unauffälligen Gestus des Beobachtens, und die Musik verstärkt vorrangig die atmosphärische Spannung, die von den Bilderfolgen kommt In „Yukon“ geht es darum, was daraus werden kann, wenn einer nicht ertragen mag, daß ein anderer einen Hund quält, und was daraus werden kann, wenn der andere, der gewohnt ist, seinen Hund zu quälen, nicht ertragen mag, daß der eine ihn am Quälen hindert Der andere will sich rächen, und der eine, ein Trapper, kann nichts anderes tun, als sich dieser Rache möglichst zu entziehen. Die Rache mündet schnell in falschen Beschuldigungen, und die falschen Beschuldigungen münden in eine Verfolgungsjagd ohnegleichen. Das liegt weniger an. dem, der seine Rache will, als an dem Polizisten des Yukon-Territory, einem alten, müden Mountie. Der ist ein Profi. Nachdem er den Trapper gesehen hat, weiß er, was los ist Aber er muß tun, was sein Job ihm vorschreibt. Also jagt er den Trapper. Melancholisch beginnt und entfaltet sich das eigentliche Thema dieses Schneewesterns: die respektvolle Auseinandersetzung zwischen zwei alten Männern, die wissen, wie ähnlich sie sich sind. Charles Bronson und Lee Martin. Einmal, am Lagerfeuer, erklärt der Mountie, wenn einer den Trapper festnähme, dann er. Auf die Frage, warum denn er, antwortet er: „Der verdient mich. Nicht diese Typen!“ Norbert Grob

Kaleidoskopisch

„Die Haut“ von Liliana Cavani, nach Curzio Malapartes gleichnamigen Roman und zugleich jenseits davon. Im Mittelpunkt, steht Malaparte (Marcello Mastroianni). Wie er als Verbindungsoffizier die US-Amerikaner 1943 durch Neapel führt, so führt er auch durch den Film: hinweisend oder erläuternd, kommentierend, ironisierend oder wertend, Verständnis oder auch Unverständnis, Wut oder auch Nachsicht zeigend. Er führt die Geschichten dreier Amis vor, die Italien zu befreien suchen: die des General Cork (Burt Lancaster), der vor allem daran denkt, Geschichte zu machen; die eines jungen Leutnants, der naiv und unbedarft, aber auch anpassungswillig durch den Kriegsalltag sich windet; und schließlich die Geschichte einer fliegenden Senatorenfrau, die vorgibt helfen zu wollen, aber im Grunde doch nur an ihren Ruhm denkt, und die immer in ihr Flugzeug steigt, wenn sie sich innerlich getroffen fühlt. Diese Geschichten ergeben weder einen Skandalfilm noch einen Politfilm. Eher wird daraus ein bunter Bilderbogen, der vom Überleben im Krieg erzählt und davon, wie sehr dieses Überleben damit zu tun hat, sich verkaufen zu müssen. Mit einer überdeutlichen Metapher endet der Film. Rom, im Juni 1944: die siegreiche US-Armee hält ihren feierlichen Einzug und läßt sich von der Bevölkerung umjubeln. Dabei erfaßt die Kamera immer wieder einen Römer, der ein Kind auf seinen Armen trägt, und der außer sich vor Freude scheint Als er dann sein Kind im Übermut auf einen Panzer heben will, kommt er ins Stolpern. Er fällt hin und wird von dem Panzer überfahren. So bleibt von ihm nur ein Brei aus zerrissenen Kleidungsstücken und Blut, aus noch intakten und völlig zermatschten Körperteilen, aus Knochenresten und aus einem Schuh, der noch seinen linken Fuß bedeckt. Wodurch diese Metapher von der Gewalt des Siegers, die alles, was sich ihr in den Weg stellt, zerstört, auch filmisch zum Reden kommt, ist die Beharrlichkeit, mit der die Kamera mehrmals auf diesen Körperbrei zurückschwenkt und sich dann stets aufs Neue daran festblickt Der grelle Effekt wird dadurch konkreter gemacht Er wird zum zwar außergewöhnlichen, aber doch normalen, kriegsalltäglichen Abbild. Was wie eine filmische Entsprechung wirkt zum leisen Dialogsatz am Ende des Romans: „Es ist eine Schande, im Kriege zu siegen.“ Norbert Grob

Langweilig