Persische Exilanten haben in Kalifornien nichts zu lachen[[[h3]]

Von Marianne Heuwagen Vor der Revolution im Iran war Mary Apick ein Star. Bereits als Kind hatte die Tochter einer renommierten persischen Schauspielerin auf der Bühne gestanden. Durch zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen war sie über die Grenzen ihrer. Heimat hinaus bekanntgeworden. Auf den Filmfestspielen in Moskau 1977 erhielt Mary Apick eine Auszeichnung als beste Schauspielerin des Jahres. Damit war ihre Filmkarriere allerdings beendet. Nach dem Erfolg in Moskau suchte Mary Apick ihr Glück in Hollywood. Hier aber traut sich heute niemand, eine persische Schauspielerin zu engagieren, auch wenn sie sehr begabt ist und ihr Name amerikanisch klingt. Ihren Lebensunterhalt muß Mary Apick sich heute mit Klavierstunden und Ballettunterricht verdienen.

Auch Ata Forman hatte sich von Kalifornien viel versprochen, als er vor vier Jahren von Hamburg nach Beverly Hills zog. Im „House of Iran“ eröffnete er ein Restaurant. Das Geschäft ging gut. Perser waren damals in Kalifornien sehr angesehen. Was während der Geiselaffäre passierte, ließ Ata Forman allerdings an der Toleranz der Amerikaner zweifeln: Drohungen, eingeschmissene Fensterscheiben, tägliche Angriffe. Ein Koch wurde brutal zusammengeschlagen, eine Bombe noch gerade rechtzeitig entschärft. Mehrmals mußte Ata Forman sein Restaurant wegen Bombendrohungen räumen lassen. Die amerikanischen Kunden blieben aus. Zu allem Übel wurde ihm dann auch noch die Genehmigung, alkoholische Getränke zu servieren, entzogen. Sein Umsatz ging um 60 Prozent zurück. Seit der Freilassung der Geiseln im Januar dieses Jahres, ist das Geschäft wieder besser geworden. Aber so gut wie vorher läuft es nicht mehr. Heute bewirtet Ata Forman nur noch Landsleute.

Wie Mary Apick und Ata Forman ist es vielen Iranern ergangen, die sich in den Vereinigten Staaten niedergelassen haben. Sie kamen als Freunde, wurden aber nach der Geiselaffäre behandelt wie Feinde. Wie viele Iraner sich heute in den USA aufhalten, das wissen, die amerikanischen Behörden nicht genau, weil die meisten hier illegal leben. Die amerikanische Einwanderungsbehörde hat in den letzten drei Jahren zirka 150 000 Visa für persische Staatsbürger ausgestellt. Viele sind als Touristen, Geschäftsreisende und Studenten eingereist und einfach dageblieben. Der Versuch der Carter-Regierung iranische Studenten, deren Visa abgelaufen waren, auszuweisen, hat die Zahl der illegal in den USA lebenden nicht maßgeblich reduziert. Einige sind bei Freunden und Verwandten, untergeschlüpft, andere haben gesundheitliche Gründe vorgeschoben, um die USA nicht verlassen zu müssen. „Früher oder später tauchen die alle in Kalifornien auf“, meint Frank, Redakteur bei der Iran News einer persischen Wochenzeitung, die seit zwei Jahren in Hollywood herausgegeben wird. Allein in Los Angeles und Umgebung sollen heute 100 000 persische Exilanten leben,

In den vergangenen zwanzig Jahren haben sich viele Perser in Südkalifornien niedergelassen, nicht nur wegen des Klimas und der schönen Landschaft, sondern vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Persisches Kapital wurde in den Grundstücksmarkt investiert, in Beverly Hills florierten persische Teppichläden und Luxusboutiquen. Auch junge Akademiker, die hier studiert haben, wollen Kalifornien nicht mehr verlassen, An den beiden großen Universitäten in Los Angeles stellen die iranischen Studenten heute noch ein Drittel der ausländischen Studenten,

Die Beziehungen der privaten Universität von Südkalifornien, USC, zum Schah-Regime waren so eng, daß der Präsident der größten Privatuniversität von Südkalifornien nach dem Sturz des Schahs gebeten wurde, seinen Rücktritt einzureichen. Mit Hilfe persischer Gelder hatte die USC eine Abteilung für Erdölforschung eingerichtet. Vor drei Jahren hatte Kaiserin Farah persönlich eine Spende von drei Millionen Dollar überbracht. Heute müssen viele persische Studeuten ihre Studiengebühren zum Teil durch den Verkauf von Perserteppichen finanzieren. Die iranische Regierung schuldet den beiden großen Universitäten in Los Angeles insgesamt 776 000 Dollar an ausstehenden Studien- und Forschungsgebihren. Diese Forderungen sollen einem internationalen Tribunal vorgetragen werden, das in der zweiten Julihälfte in Den Haag über die finanziellen Ansprüche gegenüber dem Iran beraten wird.

„Seit der Revolution im Iran haben einige Studenten ihre ganze Sippschaft nachgeholt“, sagt Frank. Wie er wirklich heißt, das verschweigt der Redakteur von Iran News. Auskunft gibt er nur zögernd, und auch erst, als er sich vergewissert hat, daß seine Informationen nicht in amerikanische Zeitungen gelangen. Wie Frank’sind die meisten Perser, denen man als Journalist hier begegnet, mißtrauisch, wenig geneigt, Informatoren über die Situation der Exilanten, ihre Vermögensverhältnisse oder Beziehungen zur iranischen Regierung, preiszugeben.. Unnötige Publicity wollen sie meiden, weil sie die Berichterstattun? in den amerikanischen Medien über die Geiselnahme weitgehend für den Ausbruch der Gewalttätigkeiten gegenüber den Exilanten verantwortlich machen. Nur wenige wagen es, in der kalifornischen Gesellschaft eine exponierte Stellung einzunehmen, wie der Besitzer der exklusivster. Modeboutique auf dem Rodeo Drive oder der Makler, der dort das „luxuriöseste Shopping Center der USA“ errichten läßt.