Seit seinem Amtsantritt hat Alexander Haig, Außenminister der Vereinigten Staaten, das Sündenregister der Sowjetunion (Afghanistan, Angola, Äthiopien, Jemen und Kambodscha) um erstaunliche Details aus dem Nachrichtenfluß der amerikanischen Geheimdienste bereichert. Jetzt führten namenlos bleibende Naturwissenschaftler – die offensichtlich für die CIA forschten – in Washington neue Belege für Haigs jüngste Behauptung an, Moskau verstoße gegen das Genfer Protokoll von 1925 und wider die Konvention gegen biologische Waffen von 1972: Die Sowjetunion habe den Einsatz von hochgiftigen Pilzen über umkämpften Gebieten in Laos und Kambodscha ermöglicht. Beweis für die Behauptung war eine aus Kambodscha herausgeschmuggelte Pflanze, deren Mycotoxin-Gehalt der Trichothezen-Gruppe zwanzigfach höher sein soll, als er in der Natur auftreten kann.

Das biologische Gift kommt in der Sowjetunion, nicht jedoch in Südostasien vor (und hat nach der Oktoberrevolution zur großen Hungerkatastrophe beigetragen, weil es feucht gelagerte Weizenmengen vergiftete.)

Die Symptome – Erbrechen, Blutungen, Diarrhoe, Juckreize und tödliche Hautentzündungen–wurden in Flüchtlingslagern entlang der thailändischen Grenze beobachtet. In seinem Buch „Gelber Regen“, das im Herbst erscheint, berichtet der amerikanische Journalist Gordon S. Seagrave, daß über tausend Menschen in den Bergen von Laos biologischen Luftangriffen der Vietnamesen zum Opfer gefallen seien.

Auf die giftigen Vorwürfe, die die Amerikaner den Sowjets schon mehrfach gemacht haben, gab Moskau bisher nur laue Antworten. General a. D. Haig habe in Vietnam gekämpft, wo chemische Waffen („Agent Orange“) verwendet worden seien. Und noch heute, so Tass, werfen afghanische Konterrevolutionäre mit chemischen Granaten aus Amerika auf harmlose Bürger.

Das State Department will seine Dokumente und Beweise möglichst bald den Vereinten Nationen zur Prüfung vorlegen.

Michael Naumann (Washington)