In der DDR gibt es keine Friedensbewegung. Dieser scheinbar apodiktische Satz, eben erst wieder den West-Berliner Demonstranten vorwurfsvoll vorgehalten, stimmt nicht mehr ganz. Seit dem Hamburger Kirchentag rührt sich auch im militaristischen anderen Deutschland etwas. Junge Protestanten haben vorgeschlagen, für die achtzehnmonatige Wehrpflicht ersatzweise einen zweijährigen „sozialen Friedensdienst“ einzuführen. Kriegsdienstverweigerer müssen bislang als waffenlose Bausoldaten dienen – eine Regelung (wer weiß das noch?), wie sie noch 1969 ernsthaft auch für die Bundeswehr erwogen wurde.

Staatssekretär Klaus Gysi hat nun die zaghaften Keime der Gewissensfreiheit mit einem „das geht nicht“ zertreten. Seine Begründung ist verräterisch: Der DDR falle es ohnehin schwer genug, die Kontingente für den Warschauer Pakt zu stellen. Da glaubt man es ihm unbesehen, daß bei einem Kriegsdienstverweigerungsrecht, wie es die Bundesrepublik hat, die Nationale Volksarmee an Rekrutenmangel einzugehen drohte. Doch Gysi täuscht sich: Es werden Keime nachsprießen. Je stärker die gewaltlose Friedensbewegung hüben wird, desto größer ist die Ermutigung für die Pazifisten drüben. kj.