Wankt Anwar el-Sadat? Wer so um sich schlägt wie er, gerät leicht in Verdacht, auf schwankendem Boden zu stehen. Nach seinen Strafaktionen gegen moslemische Fundamentalisten und koptische Christen, gegen oppositionelle Politiker und westliche Korrespondenten erscheint der ägyptische Präsident in ungünstigem Licht. Der souveräne Staatsmann und Friedensnobelpreisträger zeigt messerscharfe Krallen – und Verwundbarkeit.

Noch ehe der Westen den Wandel beklagen konnte, hat Sadat versucht, eine Rechtfertigung für seinen Rundumschlag nachzuliefern. Der spektakuläre Hinauswurf des sowjetischen Botschafters und einiger seiner Gehilfen könnte tatsächlich als ein Beweis dafür dienen, daß sich in seinem Lande etwas zusammenbraute. An Stoff für ein hochexplosives Gemisch fehlt es in Ägypten nicht. Soziale und religiöse Spannungen, die katastrophale Wirtschaftslage und das Stocken des Friedensprozesses von Camp David förderten die Unzufriedenheit des Volkes am Nil. Der Präsident verlor an Popularität.

Jetzt hat Anwar el-Sadat gezeigt, wer Herr im Hause ist. Wenn er es bleiben soll, darf der Westen nicht mit Fingern auf ihn zeigen. D. B.