DIE ZEIT

Haig im Hagel

Der terroristische Anschlag auf den Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, die in Gewalttätigkeit ausfasernde Massendemonstration gegen den amerikanischen Außenminister in Westberlin, die kritischen Anmerkungen, mit denen der Bundeskanzler in Rom die Konsultationspraxis und die Wirtschaftspolitik der Regierung Reagans bedachte – nur schreckliche Vereinfacher werden diese Vorgänge über einen Leisten schlagen und sie obendrein auch noch alle mit dem Etikett "antiamerikanisch" bekleben.

Picassos Erbe

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ist „Guernica“, das gewiß nicht wichtigste, aber bestimmt berühmteste Kunstwerk des 20. Jahrhunderts, nach Spanien gebracht worden.

Kein Studium auf Freifahrschein

Wenn in allen Haushalten gejätet wird, können auch die Hochschulen nicht ungerupft bleiben. Sie sind keine Freiräume, in denen alles wild wuchern kann, während alle anderen Bereiche beschnitten werden.

Herr im Haus

Wankt Anwar el-Sadat? Wer so um sich schlägt wie er, gerät leicht in Verdacht, auf schwankendem Boden zu stehen. Nach seinen Strafaktionen gegen moslemische Fundamentalisten und koptische Christen, gegen oppositionelle Politiker und westliche Korrespondenten erscheint der ägyptische Präsident in ungünstigem Licht.

Gysis Ängste

In der DDR gibt es keine Friedensbewegung. Dieser scheinbar apodiktische Satz, eben erst wieder den West-Berliner Demonstranten vorwurfsvoll vorgehalten, stimmt nicht mehr ganz.

Amerikanische Präsidentschaft: Ein starker Diener seines Herrn

Washington, im September Gelegentlich, wenn bei allfälligen Regierungsempfängen die Akkorde der amerikanischen Nationalhymne den Rasen hinter dem Weißen Haus überwölben, ist der zweitmächtigste Mann der Vereinigten Staaten in aller Ruhe zu beobachten: Edwin Meese III legt die massige, rechte Hand auf die Brust, als wollte er dem patriotisch pochenden Herzen Mäßigung empfehlen, und singt doch schallend mit.

Zeitspiegel

Fünfundzwanzig Millionen Dollar Schadenersatz müssen die Betreiber des Kernkraftwerkes Three Mile Island den 20 000 Betroffenen des Reaktorunfalls vom 28.

Der lange Sommer des Bonner Mißvergnügens ist vorüber. Der CDU/CSU hat er nicht viel gebracht, weil sie ihre Chance nicht nutzte.: Vom Elend der Opposition

Wenn am nächsten Wochenende gewählt würde, wären die Verlierer von 1980 die überragenden Sieger. Mit beeindruckender Eindeutigkeit zeigt die Antwort auf die sogenannte Sonntags-Umfrage, mit der die Demoskopen die Wahlabsichten für den Fall erkunden, daß am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, die Union im Besitz einer fast absoluten Mehrheit die SPD ist wieder auf 35 Prozent zurückgefallen; die FDP liegt bei knapp 10 Prozent.

Berlin-Bild mit Kratzern

Keine Rede war in den deutschen und amerikanischen Medien davon, daß tausende Berliner Alexander Haig herzlich begrüßten; selbst die Türken haben fleißig gewunken – und ihr Willkommen war nicht verordnet", sagt Richard von Weizsäcker.

Besuch in einer besetzten Stadt

Lange war es vergessen, doch vor ein paar Wochen ist es aus der Versenkung aufgetaucht: das Wort von der „klammheimlichen Freude“.

Ein Lehrstück für die Deutschen

Hundert Bundestagsabgeordnete der SPD haben in einem Schreiben an die amerikanische Mission in Westberlin den Besuch Alexander Haigs begrüßt.

Katholische Soziallehre: Der Mensch ist kein Instrument

Es war jene gar nicht so gute alte Zeit, als ein Papst zum erstenmal die Arbeiter vor der „Härte geldgieriger Herren“ in Schutz nahm – und im gleichen Atemzug die Ungleichheit zwischen „hoch und niedrig, arm und reich“ als unveränderliche „Naturordnung“ verteidigte.

Graf Stachanows Übersoll für die Koalition

Herbert Wehner wird von seiner Bitte keinen Gebrauch machen müssen. In einem Interview, in dem er seine Bereitschaft erklärte, noch einmal für den SPD-Fraktionsvorsitz zu kandidieren, sagte er, falls die Fraktion einen anderen für besser halte, werde er die Abgeordneten bitten, "mir die Chance zu geben, einer der Kandidaten für die Mitgliedschaft im Fraktionsvorstand zu sein".

„Das ist nicht antipolnisch...“

In der Volksrepublik Polen gebärden sich in der Organisation „Solidarność“ vereinte Kräfte, die dem Sozialismus in Polen an die Gurgel wollen, immer dreister und herausfordernder! Sie streben nach der politischen Macht.

Ägypten: Sadat greift durch

Ägyptens Präsident Anwar el-Sadat hat den sowjetischen Botschafter Poljakow aufgefordert, das Land zu verlassen. Der ägyptische Geheimdienst will eine Verschwörung zum Sturz des Sadat-Regimes aufgedeckt haben.

Warschau warnt vor dem Zusammenbruch

Die Gräben in und um Polen sind noch tiefer geworden: Die „Solidarität“ forderte freie Wahlen zum Parlament. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten antworteten zum erstenmal mit Massenkampagnen wie im Prager Frühling 1968.

Giftige Großmächte

Seit seinem Amtsantritt hat Alexander Haig, Außenminister der Vereinigten Staaten, das Sündenregister der Sowjetunion (Afghanistan, Angola, Äthiopien, Jemen und Kambodscha) um erstaunliche Details aus dem Nachrichtenfluß der amerikanischen Geheimdienste bereichert.

Den Haag: Neue Regierung

Dreieinhalb Monate nach den Parlamentswahlen hat die niederländische Königin Beatrix vergangenen Freitag die neu Regierung vereidigt.

Nahost: Alle Streitpunkte ausgeklammert

Über das Problem, wie den Palästinensern nun die Autonomie zugestanden werden könne, habe er mit Präsident Reagan gar nicht geredet, klärte Ministerpräsident Begin am vergangenen Sonntag das staunende Fernsehpublikum auf.

Notstand für die Revolution

Zwei Jahre und zwei Monate nach ihrem Einmarsch in Managua haben die Sandinisten die Notbremse gezogen. Das Mitte voriger Woche verkündete "Gesetz über den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Notstand" ist der verzweifelte Versuch, Nicaragua aus der "lähmenden Ohnmacht" zu erwecken (so Junta-Mitglied Sergio Ramirez) und den finanziellen Kollaps zu vermeiden.

Der dreißigjährige Krieg

Wenn sie sich vornehm ausdrücken wollen, sprechen sie von „Bartprämie“; sind Frauen aber unter sich, fällt die Beschreibung des „kleinen Unterschieds“ meist sehr viel drastischer aus.

Philips: Gerne deutsch

Ein Börsenspruch sagt: „Felten geht selten.“ Gemeint ist, daß die Aktien der Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Köln, nur schwer handelbar sind.

Bonner Kulisse

„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan; der Mohr kann gehen.“ Mit diesem geflügelten Wort wird auf dem Bonner Lobbyisten-Parkett die Schließung des Bonner Flick-Büros kommentiert.

Benzinpreise: Kein Mitleid

Man muß die ölgesellsdiaften jetzt nicht loben, nur weil sie höchst widerwillig an einigen Tankstellen die Benzinpreise um einen, höchstens zwei Pfennig senken.

Verhältnis Dollar/Mark: Wechselbäder

Der Dollarkurs ist wieder einmal auf Talfahrt. Seit dem 10. August 1981 fiel er von 2,57 bis Mitte September auf 2,35 Mark. Das entspricht einer Aufwertung der Mark um 8,5 Prozent.

Tarifpolitik: Aufgalopp

Klipp und klar hat sich bisher nur Heinz Kluncker geäußert, der Vorsitzende der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr: „Es wird keine Verlängerung der bis zum 28.

Berlin: Aufsteiger statt Aussteiger

Pieroth: Alle politischen Kräfte der Stadt – von der Industrie- und Handelskammer bis zum Deutschen Gewerkschaftsbund – sind mit mir einer Meinung.

Automarkt: Japans Dolchstoßlegende

In den Konzernzentralen der deutschen Autoindustrie scheint der Angstgegner aus Japan nichts von seinem Schrecken verloren zu haben.

Video-Kooperation: Mit dem Rücken an der Wand

Vielleicht hat sich Jacques Fayard am vergangenen Freitag um Kopf und Kragen geredet. Der Chef für Unterhaltungselektronik beim französischen Marktführer Thomson-Brandt, dem in Deutschland Nordmende und Saba gehört, machte nämlich so offen wie nie zuvor Front gegen die neue Regierung des François Mitterrand, der Thomson verstaatlichen will: Zumindest einem Mitterrand-Minister warf Fayard indirekt "Dummheit" vor.

Großbritannien: Ihr letztes Aufgebot

Nun hat Margaret Thatcher es unmißverständlich zu verstehen gegeben: An der großen Richtung ihrer Wirtschaftspolitik wird sich trotz aller Fehlschläge und wachsender Opposition nichts ändern.

Neuerscheinungen

Organisationsformen betrieblichen Lernens und Ihr Einfluß auf Ausbildungsergebnisse. Von Joachim Münch, Hans-Joachim Müller, Heinz Oesterle und Ferdinand Scholz.

Nebenverdienste: Dreimal Ahmed geht nicht mehr

Das Urteil war fast einhellig negativ: Der Plan der Bundesregierung sei, schimpfte ein vielstimmiger Interessenten-Chor, schädlich, mittelstandsfeindlich und bürokratisch; selbst Schleswig-Holsteins besonnener Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg nannte ihn schlicht „töricht“ und kündigte seinen Widerstand an.

Welt-Textilabkommen: Folgen eines Sündenfalles

Wenn in der kommenden Woche in Genf die Verhandlungen über die Erneuerung des Welttextilabkommens in die zweite Runde gehen, wird der Unterhändler der Europäischen Gemeinschaft, der den größten Importmarkt für Gewebtes und Genähtes der Welt vertritt, passen müssen.

Zeitraffer

Was für Beobachter des wirtschaftlichen Geschehens schon seit langem Gewißheit ist, wird jetzt vom Statistischen Bundesamt bestätigt: Das Bruttosozialprodukt in der Bundesrepublik ist im ersten Halbjahr, verglichen mit der ersten Hälfte 1980, um real 1,3 Prozent gesunken.

Manager und Märkte

Eigentlich war alles ganz gut eingefädelt: Zu Beginn dieser Woche, wenige Tage vor der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt wollte Forschungsminister Andreas von Bülow einträchtig mit den Chefentwicklern von Audi, Daimler-Benz, VW und einer Arbeitsgemeinschaft mehrerer Hochschulen vier Prototypen eines von seinem Ministerium geförderten Forschungsautos der Öffentlichkeit präsentieren.

Unangefochten

• Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie hält gleich hinter den USA (noch) den zweiten Platz der Weltrangliste, aber im Inland wie auf den Auslandsmärkten verliert sie gegen die Japaner ständig an Boden.

Von der Sintflut eingeholt

Wolfgang Hans Levi hat seinen Frust. Zwar weigert der Chef der Kerntechnischen Gesellschaft sich wacker, die Lage der Atomwirtschaft „dramatisch“ zu sehen.

Vereinigte Staaten: Traum vom Golddollar

Wie wäre es mit einem Schweinebauch-Standard? Als Deckungsmittel des Dollars seien die Schweinebäuche – pork beilies die derzeit in Chikago für 72 Cents pro Pfund gehandelt werden – genauso gut geeignet wie Gold, spottete kürzlich der Wirtschaftsprofessor Milton Friedman in einer Fernsehdiskussion des amerikanischen Public Television.

Wirtschaftspolitik: Reagans rechte Rezepte

Senator Roth, einer der eifrigsten Vorkämpfer für Ronald Reagans neue Wirtschaftspolitik, wußte Rat: „Wenn Sie noch mehr wissen wollen über die Grundlagen und Ziele der angebotsorientierten Politik des Präsidenten, müssen Sie George Gilder lesen.

Zeitliches aus Italien: Jeans und Jesus

Weil er einen Vorgesetzten mit Worten bedroht hatte, „die an Terrorismus erinnern“, wurde vor wenigen Monaten ein Arbeiterpriester bei dem Autohersteller Lancia fristlos entlassen.

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