Von Helmut Becker

In den Konzernzentralen der deutschen Autoindustrie scheint der Angstgegner aus Japan nichts von seinem Schrecken verloren zu haben. Trotz der japanischen Zusicherung, den Exportzuwachs in die Bundesrepublik auf höchstens zehn Prozent zu beschränken, schwant der deutschen Konkurrenz Böses. Sie vermutet, daß Nippon eine neue verheerende Blechwelle in der Hinterhand halte.

Ford-Chef Goeudevert befürchtet, daß die acht in der Bundesrepublik vertretenen fernöstlichen Autoproduzenten zunächst ihre westdeutschen Lager auffüllen. Habe sich die Japan-Hysterie gelegt, dann folge der nächste Schlag, interpretiert man in Köln die Lage.

VW-Finanzchef Thomée möchte die westdeutschen Zulassungszahlen der Japaner im ersten Halbjahr – 135 302 Autos, was einem Plus von 7,9 Prozent entspricht – „nicht überinterpretieren“ und traut den erfolgreichen Kollegen aus Nippon nicht über den Weg.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung weiß es kaum besser: Unter der Schlagzeile „Die Autoinvasion der Japaner zunächst gestoppt“ berichtete das Blatt über stagnierende Zulassungen für die Japaner, konnte sich jedoch auf deren Ursache keinen Reim machen.

Derartiges Rätselraten quält Nippons Autobosse kaum noch. „Früher konnten wir jede Absatzflaute im Inland durch Exporte ausgleichen oder umgekehrt. Diese Zeiten kommen nicht wieder“, meint ein Sprecher des Marktführers Toyota.

Assistiert Tadashi Taguchi vom Verband der Automobilhersteller Japans JAMA: „Kein Zweifel, unsere Branche hat einen Wendepunkt erreicht.“