Die strittigen Punkte wurden bei Menachem Begins Besuch in Washington ausgeklammert. Wichtigstes Resultat: eine Absprache über militärische Zusammenarbeit.

Über das Problem, wie den Palästinensern nun die Autonomie zugestanden werden könne, habe er mit Präsident Reagan gar nicht geredet, klärte Ministerpräsident Begin am vergangenen Sonntag das staunende Fernsehpublikum auf. Die heiklen Themen fielen bei Begins Besuch in Washington unter den Tisch: Die Bewertung des israelischen Angriffs auf den irakischen Kernreaktor ebenso wie die Bombardements auf Beirut, bei denen Hunderte Zivilisten getötet worden sind.

Anstatt die alten und immer wiederkehrenden Streitpunkte im amerikanisch-israelischen Verhältnis grundsätzlich anzugehen, zog es Ronald Reagan vor, Beda mit Gesten der Versöhnung und neuen Freundschaftsbeweisen zu überhäufen. Wichtigstes Ergebnis aus israelischer Sicht ist die neue „strategische Kooperation“: Amerikanische und israelische Streitkräfte wollen gemeinsam ins Manöver gehen, und die Generalstäbe sollen Vorsorge gegen die Bedrohung des Nahen Ostens durch die Sowjetunion oder ihre „Stellvertreter“ treffen.

Begin bot den Amerikanern außerdem an, amerikanische Panzer und Waffen auf israelischem Boden zu lagern. Außenminister Haig will es jedoch bei Sanitätsdepots belassen. Der israelische Ministerpräsident drängte auch auf eine schriftliche Fixierung der „strategischen Kooperation“. Er war mit dem Wunsche nach Washington gekommen, daß die Sicherheitsvereinbarung förmlich festgeschrieben wird, weil er im amerikanischen Verkauf von Awacs-Aufklärungsflugzeugen an Saudi-Arabien eine Gefahr sieht: das Ende für Israels Vorzugsstellung im Nahen Osten.

Aus zwei Gründen wollte Außenminister Haig dem israelischen Sicherheitsbedürfnis nach Kräften entgegenkommen: Um von Begin mehr Flexibilität bei den Autonomieverhandlungen zu gewinnen, aber auch, um dem Kongreß die Zustimmung zum Awacs-Geschäft zu erleichtern. Einen Vertrag über die „strategische Kooperation“ konnte Haig deshalb mit Rücksicht auf die Araber nicht zugestehen.

Der „strategische Konsens“ in der gesamten nahöstlichen Region gegenüber der Sowjetunion hat für den Außenminister übergeordneten Rang. Ob das bedeutet, daß die Palästinenser-Frage in erster Linie Sadat und Begin überlassen wird und die USA sich möglichst heraushalten wollen, wird sich sehr bald zeigen.

Außer vielen offenen Fragen brachte der Besuch in Washington erneut die Probleme der Reagan-Regierung ans Licht. Verteidigungsminister Weinberger hätte sich, im Gegensatz zu Haig, eine konfrontationsfreudigere Politik gegenüber Israel gewünscht. Dazu könnte es immer noch kommen: Falls das Awacs-Geschäft mit den Saudis am Kongreß scheitert, müßte die Regierung wohl wieder über ihren Kompromiß mit Israel nachdenken.

Ulrich Schiller (Washington)