Erst in letzter Minute verzichtete VW auf die Stillegung des Frankfurter Betriebes

Von Peter Ziller

Nur einen Tag nachdem Mitte letzter Woche über achttausend Männer und Frauen auf dem Frankfurter Römer für den Erhalt der Adler-Werke demonstriert hatten, konnte sich der Oberbürgermeister der Stadt, Walter Wallmann (CDU), in Siegerpose zeigen. Nach Gesprächen mit dem Vorstand des Volkswagenwerkes berichtete der Christdemokrat, daß sich der Weltkonzern besonnen habe: Die VW-Tochter Triumph-Adler macht ihr Frankfurter Werk nicht dicht.

Statt 2500 Arbeitsplätzen gehen in der Mainmetropole „nur“ 1600 Stellen verloren. Begründung: Bei Volkswagen stehe nicht die rein ökonomische, sondern die menschlich-soziale Betrachtungsweise im Vordergrund. Und dies, obgleich noch wenige Tage zuvor Triumph-Adler-Vorstandssprecher Georg Glahn mit Rückendeckung der Konzernmutter der Frankfurter Belegschaft verkündet hatte, daß sich die Werkstore Mitte nächsten Jahres für immer schließen.

Als gegen Abend Spitzenmanager von Volkswagen und Triumph-Adler nach einer kurzfristig angesetzten Aufsichtsratssitzung in Frankfurt eintrafen, um die Öffentlichkeit selbst mit den Hintergründen ihres Sinneswandels vertraut zu machen, war die große Schau bereits gelaufen. Rundfunk und Fernsehen hatten die Teil-Rettung des Frankfurter Traditionsbetriebs unter Hinweis auf Wallmanns Verdienste ausführlich gewürdigt. VW-Finanzchef Friedrich Thomée, der den Aufsichtsratsvorsitz bei Triumph-Adler wegen „Arbeitsüberlastung“ wenige Stunden zuvor an seinen Vorstandskollegen Horst Münzner abgegeben hatte, und Vorstandssprecher Glahn blieben nur der Hinweis auf Einzelheiten der neuen Planung. Dabei wurde freilich schnell klar: Wallmanns „Eindruck, daß die Erhaltung von Arbeitsplätzen in Frankfurt nicht zu Lasten anderer Städte geht“ stimmt nicht.

Opfer, die Frankfurt nun erspart bleiben, werden nämlich anderen Werken aufgebürdet. Denn der Konzern ist von seinem Ziel, die Inlandsbelegschaft um dreitausend zu kürzen, nicht grundsätzlich abgerückt. In Nürnberg und im bayerischen Schwandorf fallen nun 600 und 150 Jobs weg. In Frankfurt bleiben dafür rund tausend erhalten, die nach einer Übergangsphase durch die Herstellung zukunftsträchtiger Produkte wie elektronische Schreibmaschinen und Drucker für Computer und Datenendgeräte gesichert werden sollen. Die Kosten dieser „weicheren“ Sanierung veranschlagen die Manager auf zusätzlich rund hundert Millionen Mark.

Mit dieser Kehrtwendung verbindet Thomée „die Hoffnung, einen Beitrag zur Befriedung der Triumph-Adler-Belegschaft geleistet zu haben“ und einer Stimmung in der Öffentlichkeit entgegensteuern zu können, „die uns nicht lieb sein konnte“.