Von Jes Rau

Wie wäre es mit einem Schweinebauch-Standard? Als Deckungsmittel des Dollars seien die Schweinebäuche – pork beilies die derzeit in Chikago für 72 Cents pro Pfund gehandelt werden – genauso gut geeignet wie Gold, spottete kürzlich der Wirtschaftsprofessor Milton Friedman in einer Fernsehdiskussion des amerikanischen Public Television. Friedman, der Miterfinder des Monetarismus, ist mit seiner Geringschätzung des „goldenen Goldes“ als monetäres Regulativ in illustrer Gesellschaft: John Keynes nannte Gold ein „barbarisches Überbleibsel“, und Lenin schlug vor, Gold als „Fußbodenbelag Latrinen“ zu benutzen.

Die von Lenin ins Auge gefaßte Nutzung des Metalles schien in dem Maße näherzurücken, in dem der 1944 in Bretton Woods geschaffene Gold/Dollar-Standard Risse bekam: Die von den Europäern in der Nachkriegszeit so gefürchtete Dollarlücke verwandelte sich in den sechziger Jahren zu einem mächtigen Dollarüberhang, der den Währungsstandard mehr und mehr zu einem Phantom machte. 1971 hob Richard Nixon die Konvertierbarkeit des Dollars auf, womit die letzte formale Verklammerung zwischen Gold und Geld entfiel. Dem Joch des Goldes und dessen Willkür entronnen, tat sich die Freiheit auf zur „rationalen Schaffung von Geldreserven durch rationale Menschen“.

Mit anderen Worten: Die amerikanische Zentralbank konnte nach Herzenslust die Geldpressen laufen lassen – ohne befürchten zu müssen, dadurch die Goldvorräte in Fort Knox zu verlieren. Anders als von vielen erwartet, führte die Demonetarisierung des Goldes zu keinem dauernden Wertverfall des gelben Metalls. Den Goldgurus wie James Dines, Oberst Edward Harwood und Harry Schultz bot sich plötzlich ein reiches Betätigungsfeld. Sie hämmerten dem Publikum ein, daß Gold Geld schlägt und daß Banknoten so viel wert sind wie „Toilettenpapier“ (Harry Schultz).

Die verrückten Goldanbeter, die gold nuts, hatten recht, wie die Glücklichen bestätigen können, die ihr Geld vor dem Goldrausch von 1979 in Goldbarren gesteckt hatten – und rechtzeitig wieder ausgestiegen sind. Doch die Eignung als Spekulationsobjekt bewies keineswegs die Eignung des Goldes als Währungsdeckungsmittel und damit als Rechenmaßstab der unterschiedlichen Valuten. Vielmehr bieten die Zickzackbewegungen des Goldpreises einen weiteren Beleg dafür, daß dieses Metall seine monetäre Rolle ausgespielt hat. Genau das ist – noch – die vorherrschende Meinung unter den meisten Währungspolitikern des Westens.

Angesichts der schlimmen Inflationsraten, der immer exotischer werdenden Zinsen und der durch Vernunft kaum noch zu erklärenden Schwünge in den Wechselkursen ist diese Überzeugung aber in den vergangenen Jahren – vielfach uneingestanden – ins Schwanken gekommen. Nun ist in den USA eine neue Generation von Gold-Fetischisten herangewachsen, die mit der magischen Kraft dieses Metalls nicht den Geldanlegern zu Reichtum verhelfen, sondern die amerikanische Volkswirtschaft gesund machen wollen. Vorwärts, wir müssen zurück zum Goldstandard! Das ist ihr Schlachtruf. Ohne eine erneute Bindung des Dollar ans Gold sei das Chaos nicht mehr abzuwenden.

Der Kreis dieser Gold-Heilpraktiker ist im Kern derselbe Zirkel, der den Amerikanern die „Ökonomie der Angebotsseite“ bescherte und damit US-Präsident Ronald Reagan das intellektuelle Fundament für sein Wirtschaftsprogramm lieferte. Zu diesem Zitier- und Lobkartell, deren Mitglieder sich gegenseitig „prophetische Gabe“ bescheinigen, gehören unter anderem der kalifornische Papageiensammler und Wirtschaftsprofessor Arthur Laffer sowie der frühere Kommentator des Wall Street Journal Jude Wanniski. Zum inneren Kern des Goldzirkels gehören außerdem zwei Leute mit großen politischen Ambitionen: Der New Yorker Kongreßabgeordnete Jack Kemp und der Erbe einer Drogerie-Kette Lewis E. Lehrman. Kemp möchte amerikanischer Präsident werden und Lehrman Gouverneur des Staates New York. Und beide sind offensichtlich der Überzeugung, daß vom Gold auch karrierefördernde Wirkung ausgeht.