Auf der größten Werkzeugmaschinenausstellung der Welt, der EMO in Hannover, sind die japanischen Hersteller so stark vertreten wie nie zuvor. Droht der Branche Gefahr aus Fernost?

Berthold Leibinger, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken, Frankfurt:

• Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie hält gleich hinter den USA (noch) den zweiten Platz der Weltrangliste, aber im Inland wie auf den Auslandsmärkten verliert sie gegen die Japaner ständig an Boden. Steht die Branche vor einer Krise?

Leibinger: In keiner Weise, ich bin sicher, daß die 4. EMO für die deutschen Werkzeugmaschinenbauer ein Erfolg wird. Überhaupt besteht zu solcher Dramatisierung der Situation kein Grund: Die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller sind seit Jahren am Weltmarkt mit einem Anteil von 26 Prozent beteiligt. Damit liegen wir unangefochten an der Spitze, denn unser fernöstlicher Wettbewerber erreicht nicht mehr als dreizehn Prozent. Richtig ist allerdings, daß die Importquoten für Werkzeugmaschinen in den letzten Jahren permanent gestiegen sind, und bei den Lieferländern haben die Japaner mittlerweile die zweite Position erreicht. Ihre Lieferungen machten allerdings im vergangenen Jahr nur vier Prozent von unserem Inlandsverbrauch aus. Ursache für den Erfolg der Japaner ist ein wirklich günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, das wir bei unserer Kostenstruktur schwerlich erreichen.

Sie macht es uns auch zunehmend schwer, unseren hohen Exportanteil von durchschnittlich sechzig Prozent erfolgreich zu behaupten: Der Personalanteil an den Produktionskosten von Werkzeugmaschinen beträgt immerhin rund 45 Prozent.

  • Sie haben bei der Boston. Consulting Group eine Japanstudie erstellen lassen. Das Ergebnis: Der Personalkostenvorteil der Japaner hat allenfalls sekundäre Bedeutung. Japanische Hersteller sollen günstiger anbieten können als ihre deutschen Konkurrenten, weil sie über konsequente Standardisierung hohen Nutzen aus großen Stückzahlen ziehen. Haben die Manager des deutschen Werkzeugmaschinenbaus mit ihrer Maßschneiderei“ nicht die falsche Produktpolitik verfolgt? Leibinger: Daß unser Produktkonzept in den vergangenen Jahren richtig war, wird von unserer Marktbedeutung eindeutig belegt. Allerdings ist die „Maßschneiderei“ vielfach zu teuer geworden.
  • Ist es dazu angesichts der außergewöhnlichen Markterfolge der Japaner nicht längst zu spät?

Leibinger: Die japanischen Hersteller haben sich auf zwei allerdings sehr wichtige Werkzeugmaschinengruppen konzentriert. Allein dort haben sie Erfolg, und allein in diesen Bereichen (Drehen und Komplettarbeiten) entstand eine zum Teil für manche Firmen kritische Wettbewerbssituation.