Stuttgart

Stuttgarts Sozialdemokraten sind auf der Suche nach einem Verlierer der Volkswahl für das Oberbürgermeisteramt Der Grund für die Genossen-Ohnmacht: Die Allmacht des seit sechs Jahren souverän die Geschicke der Stadt lenkenden Manfred Rommel. „Der kloine vom Wüstenfuchs“ hat sich seit 1975 – nach einem haushohen Wahlsieg – zu einem populär ren Kommunalchef entwickelt. Daß Rommel ob seines Witzes und seiner offenen Geisteshaltung nach außen allenthalben beliebt, ob seiner bisweilen recht autoritären Rathausführung bei der Verwaltung mit Respekt betrachtet, 1982 als CDU-Oberbürgermeister wiedergewählt wird, steht außer Frage. Rommel, so glauben viele Stuttgarter Sozialdemokraten, ist so stark, daß man sich nur blamieren könne.

Dennoch plädiert eine Mehrheit im Stuttgarter Kreisverband dafür, anzutreten und zu kämpfen. Man müsse deutlich Stellung beziehen gegen einen Christdemokraten, der immerhin zum Kreis derer gehöre, die im letzten Jahr für Franz Josef Strauß ministrabel erschienen. Rommel sei zwar liberal, aber mache nun wirklich keine SPD-Politik. Vor allem in Fragen des Straßenbaus, bei der Diskussion darüber, ob eine Stadt eher zentral oder dezentral organisiert sein solle, beim Wohnungsbau und auch beim Thema Krise der Großstadt, bei Hausbesetzungen und dem Jugendproblem setze die SPD nun mal andere Akzente. Diese Themen, so fürchten die Sozialdemokraten zu recht, würden dann die Grünen allein besetzen. Denn daß für sie jemand ins Rennen geht, steht außer Zweifel. Thomas Schaller zum Beispiel, „grüner“ Gemeinderat, jung, aggressiv, einsatzfreudig und in den Stuttgarter Bürgerinitiativen zuhause. Er konnte, wenn eine Konkurrenz der SPD ausfiele, zehn bis zwanzig Prozent jenes Protestpotentials gewinnen, das den Christdemokraten Rommel auf keinen Fall will.

Also muß einer ran, möglichst ein kommunalpolitisch erfahrener Kandidat; einer, der sich zumindest von den Grünen nichts abjagen läßt. Was Rommel über seine knapp 60 Prozent hinaus dazugewinnt, ließe sich schon eher entschuldigen: „Das ist halt ein Kerle, gegen den man nicht mehr schafft.“

Ein SPD-Mann, der jahrelang als der Kandidat galt, hat schon abgewunken: Gerhard Lang, Verwaltungsbürgermeister in der Landeshauptstadt beliebt und kenntnisreich zugleich. Doch er sei nicht der Typ, sagt er, der sich mit seinem Dienstherrn Rommel im Wahlkampf polemische Schlachten liefert und nach verlorener Wahl wieder harmonisch mit ihm arbeiten kann.

Bis Anfang Dezember wird sich die SPD zwischen drei noch möglichen Kandidaten entscheiden müssen. Da ist einmal Peter Conradi, Stuttgarter Bundestagsabgeordneter. Conradi war schön einmal nach einem Wahlkampf voller Elan und Optimismus gegen Rommel unterlegen und kann sein schlechtes Ergebnis von damals kaum verbessern.

Da ist weiter Helga Solinger, die bei den letzten Kommunalwahlen für ihre Partei das weitaus beste Ergebnis erzielen konnte. Sie ist Sozialarbeiterin und könnte Rommel bei Themen in Verlegenheit bringen, von denen er wenig versteht.