Der Dollarkurs ist wieder einmal auf Talfahrt. Seit dem 10. August 1981 fiel er von 2,57 bis Mitte September auf 2,35 Mark. Das entspricht einer Aufwertung der Mark um 8,5 Prozent. In der vorangegangenen Phase der Dollarstärke war die Mark um fast 28 Prozent abgewertet worden. Wie kommt es zu solchen Wechselbädern?

Wie rasch sich doch währungspolitische Konstellationen verändern können. Vor einem guten Monat noch nahmen die Sorgen wegen eines scheinbar unaufhaltsam stärker werdenden Dollar von Tag zu Tag zu. Unsere Rechnung für den Ölimport kletterte bedenklich und unsere Inflationsrate wurde in die Höhe getrieben. Vor einem guten Jahr klagten wir über die Dollarschwäche, die zwar unsere Ölrechnung wohltuend niedrig hielt, aber unseren Export erschwerte. Wie immer sich der Kurs entwickelt, wir sind nie zufriedenzustellen.

Sowohl, die Dollarstärke als auch die Dollarschwäche haben die deutsche Politik vor schwierige Probleme gestellt. Sie ließen schon bald den Wunsch nach einer währungspolitischen Zusammenarbeit aufkommen. Es stimmt freilich, worauf in einer Ausarbeitung der Stiftung Wissenschaft und Politik hingewiesen wird: Die USA, die wegen ihrer Größe auf die Veränderungen im Austauschverhältnis der beiden Währungen weniger empfindlich reagieren als die Bundesrepublik, haben sich nur in Phasen relativer Dollarschwäche zu einer engeren währungspolitischen Kooperation bereitgefunden.

Seit das Ausland auch die Mark als Währung akzeptiert, in der man seine Reserven gut und sicher anlegen kann, hat sich zum Dollar, der Reservewährung Nummer eins, eine Sonderbeziehung herausgebildet. In der Entwicklung des Austauschverhältnisses zwischen den beiden Währungen lassen sich nach dem Zusammenbruch der alten Währungsordnung und der Freigabe der Wechselkurse 1973 vier Phasen unterscheiden.

Von Mitte 1973 bis Mitte 1977 folgte der in Mark ausgedrückte Dollarkurs den Zinsdifferenzen. Einem raschen Kursanstieg folgten zwei starke Kurseinbrüche, die dann durch eine rasche Kurserholung wieder wettgemacht wurden. Sowohl die Deutsche Bundesbank als auch die amerikanische Notenbank entschlossen sich zu Stützungskäufen der jeweils schwachen Währung.

Die zweite Phase vom Herbst 1977 bis Oktober 1979 brachte eine relativ stetige Aufwertung der Mark, und zwar unabhängig von den Zinsdifferenzen. Grund war ein rasch um sich greifender Vertrauensverlust gegenüber dem Dollar, dem erst durch ein umfassendes Dollarstabilisierungsprogramm im November 1978 Einhalt geboten wurde.

In der dritten Phase von November 1979 bis zur Wahl von Präsident Reagan Ende 1980 fiel der Dollar jedoch weiter, nach der Geiselnahme in Iran sogar auf seinen tiefsten Stand von 1,71 Mark.