Wie wir wurden, was wir sind? Weil in das Streitgespräch zwischen den Generationen über Staat und Gesellschaft längst auch die kurze Geschichte der Bundesrepublik einbezogen wird, ist. die Frage akuter denn. je. Die Antworten, die zwei Autoren in ihrem Bildband geben

Frank Gruber / Gerhard Richter: „Die Gründerjahre der Bundesrepublik. Deutschland zwischen 1945 und 1955“; Verlag Hoff mann und Campe, Hamburg 1981, 224 Seiten, DM 38,–

können jedoch den Dialog kaum fördern. Denn: Die Alten werden, sich nur bedingt wiedererkennen und viele Junge sich in ihren Vorurteilen, bestätigt sehen. Kalter, Krieg und kleinbürgerlicher Mief, aufgekrempelte Ärmel und die ersten fallenden Hüllen in den Nachtlokalen, Grundgesetz, Währungsreform, Berliner Luftbrücke und Adenauer – die Autoren haben nichts und niemand vergessen, der die Zeit vom Wiederaufbau zum Wohlstand prägte.

Manche der Photos jedoch, die den Zeitgeist dokumentieren sollen, karikieren ihn mit klischeehafter Leblosigkeit. Die Autoren gehen ebenfalls nicht immer fair mit der Vergangenheit ‚um. So beurteilen sie die Politik jener Jahre nach dem Maßstab des Entspannungszeitalters und des sattsicheren Wohlstandsstaates. Dabei vergessen sie, mit welch bitteren Erfahrungen und in welcher Not das deutsche Volk an den Wiederaufbau seines Staatswesens ging.

Wir sind noch einmal davongekommen: das war damals die weitverbreitete Empfindung. Sie förderte gewiß nicht den Mut zu Experimenten. Aber sie führte auch nicht zu bloßem Sicherheits- und Karrierestreben, wie die Verfasser gelegentlich suggerieren wollen. Wehleidigkeit war in den Gründerjahren dieser Republik jedenfalls weniger, und Optimismus mehr gefragt als heute. Schade, daß das sonst so interessante Buch nicht auch diese Botschaft vermittelt. D. B.