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Dieter Höss

Ende der Bescheidenheit?

Bescheidenheit ist eine primär weibliche Tugend und für Arbeitgeber eine kostensparende Angelegenheit. Diesen Schluß läßt eine Anfang September veröffentlichte amerikanische Studie zu, derzufolge Frauen heute wie schon vor 20 Jahren mit durchschnittlich 60 Prozent der Männerlöhne abzuspeisen sind. Die Experten der noch während der Amtszeit Präsident Carters eingesetzten Sachverständigenkommission sprechen sogar von einer systematischen Diskriminierung weiblicher Beschäftigter: Firmen nutzen die Bereitschaft der Frauen aus, sich in typischen Frauenberufen mit niedrigerer Bezahlung abzufinden. Und wo diese alte Klassifizierung nicht mehr ausreicht, sind manche Unternehmer spitzfindig genug, neue Gründe zu erfinden, um die Frauenlöhne zu drücken, wie etwa jener Großhändler aus Pennsylvania, der einfach eine separate Frauenabteilung einrichtete und ein paar Details am Arbeitsablauf änderte. „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ – mit dieser Forderung aus der bundesdeutschen Frauenbewegung könnte auch das US-Gutachten überschrieben sein, das eine gerechtere Berufsbewertung vorschlägt. Doch schon streiten sich die Experten: Soll mehr Lohngerechtigkeit per Gesetz verordnet werden oder überläßt man es den Richtern, von Fall zu Fall zu entscheiden? Die deutschen „Heinze-Frauen“ jedenfalls mochten sich nicht so lange mit ihren niedrigeren Löhnen bescheiden, bis Wissenschaftler und Parlamentarier ihnen eine Lösung bescherten. Sie setzten weiblicher Bescheidenheit selbst ein Ende, indem sie durch die juristischen Instanzen klagten, und die Kasseler Arbeitsrichter gaben ihnen in der vergangenen Woche bekanntlich recht (siehe auch „Wirtschaft“).