Ich bin immer im Geschichtsatlas unterwegs, aber anders als früher. So studiere ich nicht länger die Epochen, die großflächigen Reiche. Vielmehr benutze ich eine Lupe und sehe mir ganz bestimmte Flecken an. Plätze, wo nichts ist – nur ein weißer Zwischenraum; dort steige ich ein.

Auch neulich überredete ich mich wieder, es an einer unmarkierten Stelle zu versuchen: auf einer Karte des Imperium Romanum.

Ich geriet in eine Ortschaft, in der auf offenen Straßen ein Fest gefeiert wurde. Alle sangen und tanzten. Ich, unkundig der Melodie und der Rhythmik, blieb stumm und regungslos. Da wurde ich von der Menge ergriffen, geschlagen, entkleidet und in die Arena gestoßen, wo der Stier schon wartete.

Dies ist ein Text aus dem neuen Buch des Lyrikers und Essayisten: „Meine kleine Freundin Schizophrenia – Prosagedichte“ (Neue Literatur 4, Heyne Verlag, München, 1981; 96 S., 4,80 DM).