Auf Erhard Eppler sind zur Zeit wohl nur wenige aus der SPD-Führung gut zu sprechen. Helmut Schmidt hat ihn gemeint, als er während der Etatdebatte des Parlaments jenen Politikern riet, „die auf solchen Kundgebungen reden, immer auch die unerwünschten Folgen mitzubedenken“. Sie müßten ausreichende organisatorische Vorsorge gegen den Mißbrauch ihrer Demonstration treffen, „um verantworten zu können, was insgesamt aus der Sache wird“. Das gelte auch für den 10. Oktober, rief Herbert Wehner dazwischen. Helmut Schmidt: „Ich stimme Ihnen zu, Herr Kollege Wehner.“

Hauptredner aus den Reihen der SPD bei der Friedens-Kundgebung am 10. Oktober, die vor allem von kirchlichen Gruppen getragen wird und für die über 100 000 Teilnehmer erwartet werden, ist Erhard Eppler.

Was ihn angeht, scheint neuerdings auch Willy Brandt das Gefühl zu haben, er konfrontiere die SPD zu oft mit überraschenden Aktivitäten, die dann für die Regierungspartei und ihren Vorsitzenden problematisch sind. Jedenfalls regen sich laute Zweifel, ob es von Eppler richtig ist, diesen Teil der evangelischen Kirche auf so spektakuläre Weise in die Partei hineinführen zu wollen, ob es gelingt – und ob das überhaupt das wirkliche Ziel ist.

Die Spiegel-Enthüllung, der Kanzler habe gar auf einen Unvereinbarkeitsbeschluß für . Teilnehmer an der Friedens-Demonstration gedrängt – mit immerhin 10 000 Sozialdemokraten wird gerechnet –, wird im Kanzleramt eher bespöttelt. Das Schmidt nach den Erfahrungen mit der Anti-Haig-Kundgebung in Berlin irgendwo mal zornige Bemerkungen gemacht haben mag, das will natürlich niemand, der ihn kennt, ganz ausschließen.

Aber wirft er die Friedensbewegung und die Attentäter von Heidelberg in einen Topf? Mit Mitgliedern der Friedensbewegung hat der Kanzler diskutiert, im Parlament hat er für sie gerade wieder differenzierte Worte gefunden.

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Ein kluger Kopf muß dem ARD-Journalisten Erhard Thomas den Tip gegeben haben. Pünktlich war er mit seinem Kamera-Team im „Kessenicher Hof“, der Stammkneipe der „Kanalarbeiter“ in der SPD-Fraktion, um ein Treffen mit Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff zu filmen. Auf diese Weise wollten nämlich einige Genossen den Rat Willy Brandts befolgen – den dieser allerdings dem Kanzler zugedacht hatte –, in der Koalition öfter mal ein Bier miteinander zu trinken. Mit dem Versöhnungsumtrunk hat aber gleich neuer Ärger begonnen.