Eine Fahrt mit dem U-Boot, mitten im Krieg, als Geschichte vom Alltagsleben über und unter Wasser, von Routinearbeiten, Routineübungen und Routinewitzen. Die Männer in dem Boot leben nicht, sie tun ihre Pflicht, sie funktionieren. Für viele von ihnen heißt das, sozusagen als Höhepunkt an action: öfters vom einen zum anderen Ende des Bootes zu rennen. Für andere heißt das: an irgendwelchen Knöpfen zu drehen oder an irgendwelchen Hebeln zu ziehen oder auch nur angespannt zu gucken. Irgendwann einmal schießen sie zwei, drei Tankschiffe ab. Den Erfolg dieses Angriffs hört man: Es gluckert und quietscht, und einer der Männer erklärt, daß dieses Gluckern, dieses Quietschen den Erfolg ihres Angriffs melde. Mehrmals wird das Boot von Zerstörern gejagt. Da blicken die Männer dann alle voller Spannung nach oben. Und wenn eine Bombe detoniert, wackelt das Bild, so daß man nichts mehr sieht und einem nur noch die Augen weh tun. Das erinnert an das alte „Sensurround “-Verfahren. Da fing es, wenn es spannend wurde, immer an, überlaut zu rattern und zu knattern, so daß man nichts mehr hörte und einem nur noch die Ohren weh taten.

Die Geschichte einer Fahrt mit dem U-Boot, mitten im Krieg. Männer begeben sich auf einen Weg, der ihnen wenig verspricht. Aber sie funktionieren doch. Nicht daß sie einfach einen Job haben und den so gut wie möglich erledigen; sie funktionieren.

Von der Dialektik zwischen Kämpfen und Funktionieren am Rande des Todes handelt einer der schönsten Filme der Kinogeschichte: „Only Angels Have Wings“ von Howard Hawks. Der Film handelt vom Kampf um eine Fluglinie, auch vom Kampf ums tagtägliche Fliegen. Einmal kommt dabei ein Mann ums Leben. Der war der Freund aller anderen. Doch nach seinem Tod sagt sein Boß nur: Er sei gestorben, weil er nicht gut genug gewesen sei! In den Bildern aber und zwischen den einzelnen Worten liegt eine Trauer, die das Gesagte verändert, es menschlich macht. Einer hat seinen Job nicht überlebt, und seine Kollegen trauern um ihn. Doch diese Trauer bleibt unausgesprochen. Und gerade dadurch, daß die Trauer unausgesprochen bleibt, drückt sich der wahre Respekt vor dem toten Freund aus. Aber auch dadurch, daß die anderen dann einfach seinen Job weitermachen.

In „Only Angels Have Wings“ ist das Funktionieren immer ein Kampf um das, was man auch selbst will. Zu funktionieren: das gehört zum Job, insbesondere, wenn man möglichst gut sein will.

Im „Boot“ aber heißt zu funktionieren vor allem: bis in den Tod zu funktionieren. Die Männer haben keine Chance.

Doch nur in einer Sequenz, der schönsten des ganzen Films, ist diese Ausweglosigkeit lebendig, also emotional formuliert – als Kampf gegen die Ausweglosigkeit, als Kampf für etwas, das alle wollen. Beim Versuch, durch die Meerenge bei Gibraltar zu kommen, wird das Boot so zerstört, daß es nicht mehr manövrierfähig ist. Es sinkt immer weiter in die Tiefe. Durch einen Zufall aber eröffnet sich die Möglichkeit, gegen die Zerstörungen anzuarbeiten. Das Boot bleibt an einem Riff hängen, in 280 Meter Tiefe. Also beginnen die wenigen Profis an Bord mit ihrem Job. Die einen reparieren die Maschine, die anderen reparieren die Batterie. Sie erledigen ihren Job mit Erfolge Da flüstert der Kommandant des Bootes: „Gute Leute muß man haben! Nur gute Leute!“

Innerhalb dieser Sequenz gibt es aber auch die Worte des Mannes, der als Kriegsberichterstatter an Bord ist. Es wirkt tief gegen die emotionale Gestaltung der Szene, wenn der erklärt, warum er an Bord ist: Daß er einmal vor dem Unerbittlichen habe stehen wollen. Wo keine Mutter, wo kein Weib seinen Weg kreuze. Nur die Wirklichkeit.