Wachwechsel am Rhein. Im Düsseldorfer Hans-Böckler-Haus, der Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), wird in diesen Tagen das große Revirement eingeläutet. Vier, wenn nicht fünf der insgesamt neun Mitglieder des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstands ziehen sich beim nächsten Kongreß im Mai 1982 in den wohlverdienten Ruhestand zurück.

Generationswechsel am Rhein? Mit Heinz Oskar Vetter, Karl Schwab, Günter Stephan und vielleicht Maria Weber tritt die Generation der Sechzigjährigen ab; eine Generation, die entscheidend am Wiederaufbau der Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg mitgewirkt und ihren Teil zu Wohlstand und Wachstum, Sicherheit und sozialer Stabilität beigetragen hat.

Klimawechsel am Rhein? Was, so fragen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre, was kommt nach diesen elder statesmen? Gefährden ihre Nachfolger womöglich das labile wirtschaftliche und soziale Klima, das vermutlich in den nächsten Jahren extremen Belastungen ausgesetzt ist? Denn schließlich gehen nicht nur Vetter und seine Kollegen aus Düsseldorf.

Auch in den Spitzen der Einzelgewerkschaften hat der große Zapfenstreich begonnen. Schon vor ein paar Jahren räumten die Vorsitzenden von Textil und NGG (Nahrung, Genuß, Gaststätten), Karl Buschmann und Herbert Stadelmeier, ihre Sessel. Heinz Viether von Handel, Banken und Versicherungen folgte im letzten Jahr. Kurt Georgi von der Gewerkschaft Holz und Kunststoff wird in wenigen Wochen abgelöst. Und für Eugen Loderer (IG Metall), Karl Hauenschild (IG Chemie), Rudolf Sperner (IG Bau), Leonhard Mahlein (IG Druck) und Hermann Brandt von der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) ist inzwischen die letzte Amtsperiode angebrochen.

Die alte Garde tritt ab. Doch der Wechsel ist bisher ohne große Friktionen geblieben. Und wie es aussieht, werden auch beim DGB nicht die gefürchteten zornigen jungen Männer die Macht ergreifen. Als Heinz Oskar Vetter, seit 1969 an der Spitze der Arbeitnehmerorganisation, in der vergangenen Woche seinen Abschied offiziell verkündete, nannte er gleich zwei Namen für einen möglichen Nachfolger: Alois Pfeiffer und Günter Döding. Beide würden die Kontinuität der bisherigen gewerkschaftlichen Grundpositionen nicht gefährden.

Pfeiffer, der in diesen Tagen 57 Jahre alt wird, ist seit 1975 im geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand für Wirtschaftspolitik zuständig. Damals galt der Vorsitzende der Gewerkschaft Landwirtschaft, Gartenbau und Forsten und ehemalige Waldfacharbeiter selbst in Gewerkschaftskreisen als unbeschriebenes Blatt. Heute, sechs Jahre nach seinem Wechsel ins Düsseldorfer Hans-Böckler-Haus, ist er in Arbeitnehmerkreisen kein Unbekannter mehr. Bundeskanzler Helmut Schmidt hält sogar, wie Vetter seinen Kollegen zu verstehen gab, recht viel vom ökonomischen Sachverstand Pfeiffers. Und im DGB schätzt man ihn als fleißigen Arbeiter und lauteren Kollegen, wenn auch mancher eine gewisse Farbigkeit bei ihm vermißt.

Die allerdings wird dem zweiten Mann, der im Zusammenhang mit der Vetter-Nachfolge schon seit Jahren im Gespräch ist, niemand absprechen. Döding, seit 1978 an der Spitze der NGG, macht einigen seiner Kritiker eher zuviel von sich her. Und für den einen oder anderen Linken neigt der Pragmatiker Döding manchmal sogar zu sehr zur Sozialpartnerschaft.