Zwei Arbeitskollegen fahren jahrelang gemeinsam zum Betrieb – mal mit dem Wagen des einen, mal mit dem des anderen. Jahrelang ging das gut, jeder sparte die Hälfte seiner Autokosten. Eines Tages aber geriet der Fahrer, der gerade „dran war“, auf einer vereisten Straße ins Schleudern und prallte gegen einen entgegenkommenden Bus. Sein Kollege wurde bei diesem Unfall getötet. Bald darauf verlangte seine Witwe Schadensersatz.

Seit jeher ist eines klar: Wer als Autofahrer einen Unfall hat, weil er selbst unvorsichtig oder regelwidrig fährt, muß für den Schaden aufkommen, den er angerichtet hat. Wer zu schnell fährt, wer Alkohol getrunken hat oder bei Rot über die Kreuzung braust, muß mindestens mit einer Rückstufung im Schadensfreiheitsrabatt seiner Versicherung rechnen. Was aber gilt, wenn dem Fahrer keine Regelwidrigkeit nachgewiesen werden kann?

Vor drei Jahren sorgte das Oberlandesgericht Köln für einige Aufregung, als es den geschilderten Fall zugunsten der Witwe des getöteten Mitfahrers entschied und den Arbeitskollegen zum Schadensersatz verurteilte, obwohl er korrekt gefahren war, den Unfall also nicht verschuldet hatte.

Die Kölner Richter meinten, der Autofahrer habe seinen Freund „geschäftsmäßig und entgeltlich“ befördert und hafte deshalb – wie jeder Taxifahrer – ohne Rücksicht auf eigenes Verschulden für Verletzungen seiner Mitfahrer.

Schon damals wurde dieses Urteil kritisiert. Ist es sinnvoll – so fragten viele – die Haftung für Fahrgemeinschaften so zu verschärfen, daß vernünftige Leute eben wegen des hohen Risikos überhaupt keine Fahrgemeinschaft mehr bilden? Heißt das nicht, eine wirtschaftlich und menschlich sinnvolle und fördernswerte Entwicklung künstlich bremsen? Wer nimmt schon andere Leute mit, wenn er Angst haben muß, auch bei korrekter Fahrweise zum Schadensersatz verurteilt zu werden?

Inzwischen hat der Bundesgerichtshof die Grenze enger gezogen. Als eine Sportlerin, die von ihrem Trainer für 20 Pfennige pro Kilometer zu einer Sportveranstaltung mitgenommen worden war, nach einem vom Trainer nicht verschuldeten Unfall Schadensersatz verlangte, wiesen die Richter in Karlsruhe ihre Klage ab. Anders als ihre Kölner Kollegen, die „jede auch nur mittelbare Gegenleistung“ als „Entgelt“ werteten, meinten die Bundesrichter, entgeltlich sei eine Fahrt nur, „wenn die Beförderung wirtschaftlich den Interessen des Fahrers oder Halters dient, diese also den eigentlichen Grund für die Personenbeförderung darstellt“. In normales Alltagsdeutsch übersetzt heißt das: Entgeltlich fährt nur, wer verdient, nicht aber, wer spart.

Für Fahrgemeinschaften bedeutet dieses Urteil zweierlei: