Von Karl-Heinz Janßen, Josef Joffe und Gerhard Spörl

Unter Mitarbeit von Stefan Geiger (Heidelberg), Rolf-Peter Henkel (Stuttgart), Günter Hollenstein (Frankfurt) und Hans Schneller

Ziel, Ort und Diktion gehörten zum klassischen Repertoire: Wie vor neun Jahren, als die „Rote Armee Fraktion“ erstmals den Mord zur Methode erhob, galt der Angriff dem „Zentrum“ des „globalen imperialistischen Apparats“, dem Hauptquartier der amerikanischen Europa-Armee in Heidelberg. Forderten die „realen Schritte der Revolution“ im Mai 1972 das Leben von drei amerikanischen Soldaten, so sollten in der vorigen Woche der Oberbefehlshaber, General Frederick Kroesen, samt Frau, Adjutant und Fahrer sterben. Der Grund laut „Bekennerbrief“: „Er ist einer der US-Generäle, die die imperialistische Politik in Westeuropa bis zum Golf real in der Hand haben.“

Nur die Waffe war neu. Vor neun Jahren mußten noch schwerfällige, selbstgebastelte Bomben herhalten, um den „Kolonialstatus dieses Landes ernsthaft zu erschüttern“. Diesmal war es eine handliche, gerade sieben Kilo schwere Panzerfaust sowjetischer Bauart – eine RPG-7, die zur Standardausrüstung revolutionärer Gruppen rund um die Welt zählt.

Manche Politiker hatten zu früh triumphiert. Zwar konnten die Staatsschützer seit dem Selbstmord der Stammheimer – Baader, Ensslin und Raspe – im Herbst 1977 spektakuläre Erfolge vorweisen. Groß- und „Raster“-Fahndung, Aussteiger und Überläufer ließen den „harten Kern“ Monat für Monat zusammenschmelzen. Auf den Fahndungsplakaten in Banken, Postämtern und Tante-Emma-Läden zeugten immer mehr ausgekreuzte Gesichter vom Tod oder Arrest der Gejagten. Jetzt ist nur noch ein gutes Dutzend in Freiheit; sechsmal mehr sitzen hinter Gittern.

Aber schon Ende 1979 erkannte der Hamburger Verfassungsschutz: Die RAF ist wieder da. Hans Josef Horchem, der damalige Chef der Landesbehörde: „Wir waren drin in der Szene. Wir kannten Quantität wie Qualität der Rest-RAF.“ Aber auch er gibt zu: „Bis zum Herbst 1979 hatten wir praktisch keine Erkenntnisse.“

Heute – allemal nach den Anschlägen von Heidelberg und Ramstein – steht fest, daß die Ruhepause nach den Stammheimer Selbstmorden eine Rückzugs- und Regenerationsphase war. Das Bundeskriminalamt erwartete seit dem Herbst 1980 irgendwann einen „großen Klops“. Die baden-württembergischen Sicherheitsbehörden wußten, daß „Rot-Armisten“ im Raum Heidelberg Fahrtrouten ausbaldowert und „Informationen über schwere Motorräder“ gesammelt hatten.