Von Norbert Jochum

Ein rot pulsierendes, leuchtendes Herz, und dann eine ganze Wand voller Bilder, Porträts von Personen. Bewegung nur durch den suchenden Blick der Kamera, gelenkt durch eine halbgeschlossene Kreisblende; und dazu ein Stimmengewirr gemurmelte, nur halbverstehbare Lebensläufe, Ansätze dazu, Bruchstücks daraus. Und Bilder von Pflanzen und Tieren. Flechten und Moos, Zweige eines Baumes; eine Schildkröte, ein Frosch im Wasser. Irritierend zwischen all dem auf einem Tisch eine Schere und ein altmodisches Tintenfaß; ein sorgsam konstruiertes Stilleben. Und immer noch die Satzfragmente aus den Lebensläufen, die sich aber allmählich ordnen zu den Lebensläufen der drei Personen, für die sich die Kamera inzwischen entschieden hat, zufällig.

Über diese gesprochenen Lebensläufe aber legt sich die Stimme eines unsichtbaren Kommentators, sie spricht vom Leben an sich. „La raison d’être de l’être, c’est d’être, c’est à dire, de maintenir sa structure“ („Der Zweck des Lebens ist: zu leben, also eine Struktur zu erhalten“); die Pflanzen lebten an einem Ort, ohne den Ort jemals zu wechseln, der Mensch aber handele im Innern eines Raums.

Drei Personen hat sich die Kamera ausgesucht, aber von denen teilt die Stimme, die über sie spricht, wenig genug mit: Name und Alter, Geburtsdatum und Geburtsort, Beruf und Personenstand. Aber auch: Schauspieler, an denen sich die drei orientierten: Danielle Darrieux, Jean Gabin, Jean Marais.

Später im Film sagt die Stimme, die vom Leben an sich, das heißt von den Bedingungen menschlichen Handelns, spricht: „Die Reize des Gehirns kommen von anderen, so daß wir im Grunde selbst nichts sind als die anderen.“

Danielle Darrieux: die romantische Schöne; eine, um derentwillen der Held seine Frau verläßt. An ihr orientiert sich Jean Le Gall (Roger-Pierre). Geboren im Jahre 1929 auf einer kleinen Insel, die seinem Großvater gehörte. Rundfunkdirektor, verheiratet, zwei Kinder.

Jean Gabin: der zu allem Entschlossene, dann aber doch meistens der tragische Verlierer. An ihm orientiert sich René Ragueneau (Gérard Depardieu). Geboren 1939 auf einem kleinen Bauernhof bei Anjou, der seinen Eltern gehörte, streng katholisch erzogen; er verläßt seine Familie und den Hof, geht in die Textilindustrie und wird technischer Direktor einer kleinen Fabrik. Verheiratet, zwei Kinder.