• Fast alle Kernkraftwerke haben bereits sogenannte Kompaktlager gebaut oder beantragt. Durch eine engere Schichtung der Brennelemente soll die Aufnahmekapazität der Abklingbecken vergrößert werden, um Luft zu schaffen, bis die Altelemente irgendwohin abtransportiert werden müssen – wenn man das Kraftwerk nicht abschaltet, um die "Müllerzeugung" zu verhindern. Ein Verwaltungsgericht hat die Verwendung solcher Kompaktlager inzwischen verboten; ein Oberverwaltungsgericht hat sie "vorläufig" erlaubt, aber Zweifel angemeldet, ob sie nach dem Atomgesetz überhaupt genehmigungsfähig sind, und in diesem speziellen Fall das übergeordnete Interesse "gesicherter Energieversorgung" herangezogen. Wie auch immer die einheitliche Rechtsprechung in zwei oder drei Jahren aussehen wird: Das Kompaktlager ist ein "Notnagel" für maximal drei Jahre; das Problem, wohin mit dem Müll, wird nur hinausgeschoben.
  • Externe Zwischenlager: Zur Zeit sind zwei in der Planung – in Ahaus, Nordrhein-Westfalen, und Gorleben, Niedersachsen, Zumindest die Düsseldorfer Landesregierung erhebt einen gewichtigen Einwand; Ja zu Ahaus nur, wenn irgendwo eine Endlagerung gesichert ist, damit aus dem Zwischenlager nicht unversehens ein Endlager wird.

Ursprünglich sahen die Zwischenlager ein System von Wasserbecken vor (um die Strahlung abzuschirmen und die Nachzerfallswärme abzuführen). Mit dieser Technik hat man einige Erfahrung, zumal imAusland, aber wegen der langen Bauzeiten ist man auch hier zu einer billigeren und schnelleren Lösung übergegangen, der sogenannten Trockenlagerung. Die Brennelemente werden in einem Stahl-Transportbehälter (Castor) geschoben und in einer Art Riesenscheune gesammelt. Unten einströmende und oben abziehende Luft soll die gerippten Castor-Behälter natürlich, ohne mechanische Luftzufuhr, kühlen, unter ungünstigen Umständen bis zu 30 Jahren. Erfahrungen mit langjähriger Trockenlagerung gibt es nicht; Einigkeit besteht, daß die in der Bundesrepublik verwendeten Brennelemente besser naß gelagert würden.

Angeblich lassen sich die 1500-Tonnen-Trockenlager in 18 Monaten bauen; der Baubeginn steht freilich in den Sternen. In Gorleben ist ein Bebauungsplan wegen eines Formfehlers vom Verwaltungsgericht Stade abgelehnt worden. Mit welcher Hast man vorgeht, belegt ein warnendes Schreiben der Niedersächsischen Landesentwicklungsgesellschaft an die Samtgemeinde Gartow vom 18. Februar 1981: Binnen sechs Wochen könne man keine Änderung des Flächennutzungsplans schaffen. Und Ministerpräsident Albrecht ließ sich nach dem Stader Spruch zu der Schelte hinreißen: "Auch die Gerichte müssen sich ihrer Verantwortung bewußt werden" – als ob die Gerichte etwas anderes täten, als die Gesetze peinlich genau zu befolgen. Daß die Paragraphen Schlingen für die Kernkraft geworden sind, liegt außerhalb ihrer Verantwortung.

  • Den größten Ärger haben die Betreiber zur Zeit mit dem ehemals elegantesten Ausweg: Die Cogema nimmt seit einigen Wochen keine deutschen Brennelemente mehr an; einige Kraftwerke mußten Eilverträge über kleinere Abnahmemengen mit der englischen Wiederaufbereitungsanlage Windscale schließen, um das Abschalten zu vermeiden. Offiziell heißt es in Bonn, Frankreich werde nicht vertragsbrüchig, die Arbeiter und Kernkraftgegner ließen nur Dampf ab; die bis 1985/86 laufenden Verträge mit deutschen Kernkraftwerken würden erfüllt. Trost bietet diese Versicherung freilich wenig.

Denn die Cogema hat, das ihr zugefallene Wiederaufarbeitungsmonopol rigoros ausnutzend, Knebelverträge diktiert und einen Passus über die Geheimhaltung des Inhalts durchgesetzt, den die Betreiber unbedingt einhalten wollten, selbst gegenüber Bonn. Inzwischen sind wichtige Details bekanntgeworden. Danach kann die Cogema in Fällen höherer Gewalt (Brand, Revolution, Streik, Aussperrung) die Annahme und Verarbeitung deutscher Brennelemente verweigern; dasselbe gilt auch bei nicht näher definierten "größeren technischen Schwierigkeiten" (die es bereits mehrfach gegeben hat): Eine sichere Entsorgung garantiert Cogema also nicht.

Die wichtigste Klausel heißt jedoch: Von 1990 an muß die Bundesrepublik die bei der Bearbeitung angefallenen radioaktiven Abfälle zurücknehmen und auf ihrem Territorium endlagern.

  • Als Endlager wurde der Salzstock bei Gorleben vorgesehen. Um die heutigen Bedingungen eines sicheren Lagers (die wissenschaftlich umstritten sind) zu erkunden, ist eine bergmännische Erschließung unvermeidlich. Selbst unter der Voraussetzung, daß Gerichte und Proteste keine Woche Verzögerung mehr erzwingen, kann das endgültige "Ja" oder "Nein" erst Anfang oder Mitte 1990 vorliegen – wenn die ersten Abfälle aus Cap de la Hague anrollen sollen. Weil sich die Endlagerung nur auf einen einzigen Ort konzentriert, kann eine negative Entscheidung das "Aus" für die Nuklearenergie bedeuten: Kompaktlager, Zwischenlagerung, Cap de la Hague – die Entsorgungskette muß sich unvermeidlich in einem bundesdeutschen Endlager schließen.