An der Endlagerung hängt ebenfalls eine deutsche Wiederaufarbeitung. Vier Jahre Bauzeit, vier Milliarden Aufwand plus eine Milliarde Planungskosten für maximal 350 Tonnen Brennelement im Jahr – so lauten jetzt die Angaben der "Deutschen Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen" (DWK). Ein erster Standort in Diemelstadt/Wethen (Hessen) scheiterte an geologischen Gründen; ein neuer Platz ist noch nicht benannt. Gesetzt den Fall, er wird 1982 gefunden, das Genehmigungsverfahren dauert nur ein Jahr, die Bauzeit wird eingehalten – dann ergibt sich 1987/88 auch für diese Anlage das Problem: Wohin mit dem Müll? Die Diskussion, wie viele Kernkraftwerke mit der "kleinen Lösung" entsorgt werden können, erübrigt sich, wenn der Brennstoffzyklus "hinten" nicht geschlossen werden kann; dann ist auch diese Investition in den Sand gesetzt. Auch die "Parallellösung" – Endlagerung der verbrauchten Brennelemente ohne Wiederaufarbeitung – steht und fällt mit dem Endlager.

Erste Ergebnisse der theoretischen und praktischen Untersuchung des Gorlebener Salzstocks bieten keinen Anlaß zu Optimismus. Es steht bestenfalls 1:1 für dieEignung – als Basis für Milliarden-Investitionen kaufmännisch nicht gerade empfehlenswert.

Die Politik hat seit 1976 das Zusammenschustern von Kompromissen zur Methode erhoben: Die Benutzung der Kompaktlager ist nicht gesichert, wird aber 1982 (eine mehr als optimistische Annahme) allgemein gestattet. Cogema erfüllt sämtliche Verträge ohne Verzögerungen (nach allen Erfahrungen ebenfalls optimistisch), dann wird dennoch beim Planziel 53 000 MW im Jahre 2000 das erste Zwischenlager von 1500 Tonnen Aufnahmefähigkeit im Jahre 1985 nötig; das zweite und dritte gleicher Größe 1994 und 1997 – unter der politischen Voraussetzung, daß dann die Endlagerung gesichert ist –, was frühestens 1990 entschieden werden kann. Weniger Kernkraftwerke können diese Fristen dehnen, aber das Dilemma nicht grundsätzlich beseitigen: Eine Entsorgung auf jeweils sechs Jahre existiert nicht, sondern gründet auf Plänen und Ansprüchen, die in den vergangenen Jahren stets zeitlich gestreckt und im Sinne einer Entsorgung, die den Namen verdient, erleichtert werden mußten. "Alles in allem", so schreibt der SPD-Bundestagsabgeordnete Harald B. Schäfer, Mitglied der Enquete-Kommission, "besteht eine prekäre Entsorgungssituation... Gesundbeterei wäre unverantwortlich."

Erste Gebetstöne sind indes schon vernehmbar: In Cap de la Hague und im englischen Windscale werden Wiederaufarbeitungs-"Straßen" gebaut, ist noch Kapazität frei, heißt es. Der Zeitpunkt, zu dem sie genutzt werden können, ist allerdings noch offen. Ebenso der Preis.