Ein israelischer Druse zum Palästinenser-Problem

Von Herwig Bierhoff

Die Biographie des Autors eines neuen Versuches über das israelisch-palästinensische Verhältnis verspricht zunächst Interessantes:

Rafik Halabi: „Die Westbank-Story“; Athenäum-Verlag, Königstein/Ts. 1981, 212 S., 24,– DM.

Denn Halabi, 1946 in der Nähe von Haifa geboren, ist Druse, also Angehöriger jener kleinen arabischen Minderheit, die weder dem Islam noch dem Christentum zuzuordnen ist; er hat zudem in Jerusalem studiert und in Israel den Militärdienst absolviert. Könnte nicht gerade diese Herkunft und dieser Lebensweg neue Einsichten und Perspektiven für die Beurteilung des israelisch-arabischen Konfliktpotentials eröffnen?

Aber die Hoffnung auf neue Ansätze als Konsequenz der Erfahrung des Zusammenlebens über fünfunddreißig Jahre hinweg wird herb enttäuscht. Halabis Rezept: Abwarten und Hoffen. Von der Integration in den israelischen Staat und in die israelische Gesellschaft liest man fast gar nichts – das Trennende steht bei weitem im Vordergrund, nicht ohne Berechtigung.

Integration der palästinensischen Araber – eine unlösbare Aufgabe selbst dort, wo sie „ihren Staat“ haben und keinen anderen Staat oder autonomes Gebilde à la Begin haben wollen? Man muß wohl zu einem negativen Ergebnis kommen. Aber nicht weil man der jüdischen Seite die Integrationswilligkeit absprechen mußte, sondern weil die strukturellen Bedingungen der israelischen wie der palästinensischen Gesellschaft eine wirkliche Integration unmöglich machen. Ist es nicht bezeichnend, daß fast alle „Berater des Ministerpräsidenten für arabische Angelegenheiten“ gescheitert sind? Und wie sonst wäre zu erklären, daß die in Israel lebenden palästinensischen Araber mehrheitlich in immer größere Distanz zum Staat Israel und seinen Institutionen geraten?