Der aus Deutschland importierte Architekt Carl Ludwig Engel hatte keine Probleme mit den Holzhütten, die einst dort gestanden hatten, wo er sein monumentales Zentrum mit Dom und Senatstorget hinzuplazieren gedachte. Passenderweise war zuvor das ganze Budenviertel bei einem jener Großbrände in Flammen aufgegangen, die in all den holzgebauten Städten Finnlands in regelmäßigen Abständen wüteten.

Helsinki-Besucher brauchten eigentlich gar nicht mehr weiterzufahren nach Leningrad, denn Engels Werk ist ein Petersburg en miniature und somit ganz und gar russisch. Falls man Petersburg, das von einem französischen Architekten geschaffen worden ist, überhaupt als russisch bezeichnen kann.

Doch in jener Zeit machte es keinen Unterschied, woher der Architekt kam. Alles, was neu war, sah ohnehin gleich aus. Und viele Plätze gab es auch nicht mehr, wo man alles neu und auf einmal bauen konnte, so wie in Petersburg und Helsinki. Ein Beweis für diese begrenzten Möglichkeiten ist ein Viehstall in der Nähe von Salo. Der Baumeister hat den Kühen einen ebenso feinen, säulengeschmückten Palast spendiert wie dem Gutsbesitzer und dem Generalgouverneur des Landes.

Daß Finnland für seine Architektur berühmt ist, dürfte die meisten Besucher des heutigen Helsinkis erstaunen. Das Feine und Originelle ist hier nicht so leicht zu sehen, das Häßliche dafür um so sichtbarer.

Die Jugendstil-Epoche war zweifellos eine Glanzperiode Helsinkis, für den Besucher, der Wien kennt, ist es ein Vergnügen, auf der Katajanokka und im Stadtviertel Eira ein rechtes Wiedererkennungsspielchen zu genießen.

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Eine wirkliche Art Nouveau-Kathedrale, "der Petersdom des Jugendstils", ist der Bahnhof von Eitel Saarinen. Ohne Scham und völlig von seiner Richtigkeit Überzeugt, sagte der Baumeister selbst, daß dieser Bahnhof der schönste der Welt wäre – und das ist durchaus möglich.