Ihm gegenüber liegt das Atheneum, das Museum, in dem Finnlands bedeutendste Kunstschätze aufbewahrt sind. Kein Besucher sollte dieses Museum versäumen, schon allein um sagen zu können, er habe das einzige Kunstmuseum der Welt besucht, das bereits vor 80 Jahren für feuergefährdet erklärt worden ist.

Aber da es eine Kulturinstitution ist, die – oberflächlich gesehen – so aussieht, als brächte sie nichts ein, darf sie stehen bleiben. Unter demselben Schicksal leidet die Oper, die so eng ist, daß der weltberühmte Bassist Martti Talvela nicht aufrecht stehen kann, wenn er Boris Godunov "in". So dienen die allsommerlichen Opernfestspiele im Schloßhof des Nyslott auf Savonlinna auch, dazu, das Opernensemble einmal in voller Größe zu erleben. Das soll einen nicht daran hindern, in den Zuschauerraum der Oper am Bulvarden hineinzukriechen und – 200 Kilometer entfernt von Leningrad – das Beste, das zu Gebote steht, zu sehen und zu hören.

Nein, Helsinki braucht sein Gesicht nicht hinter einer dunklen Brille oder einem Schleier zu verbergen Alles in diesem ehrlichen Parvenü-Gesicht ist sichtbar.

In den Parks treiben sich die unzähligen, obdachlosen Alkoholiker herum, Um die sich keiner kümmert, dazu die recht spärlich gesäten Fixer, um die sich alle kümmern, weil sie nicht so schmutzig sind und es leichter ist, sie zu bedauern.

An Theatern herrscht auch kein Mangel, alles gibt es, von kleinen Kellertheatern bis hin zu Institutionstheatern. Alle Aktualitäten des Lebens nehmen sie auf und behandeln sie, und wenn ein weitgereister Zuschauer nicht immer alles begreift, braucht das nicht an. der undurchdringlichen finnischen Sprache zu liegen. Das protestantische Finnland ist nämlich Sehr orthodox in seinen Ansichten.

Um darin definitiv Bestätigung zu finden, kann der Fremde versuchen, sich in das Künstlerlokal "Kosmos" hineinzudrängeln, im absoluten Zentrum der Stadt unweit des Warenhauses Stockmann, und sich in eine Diskussion mit den ständig anwesenden Weltverbesserern einlassen, die alle bekannten Zungen beherrschen. Erst dort erhält man, ein Gefühl für das Ewigwährende und Unauslöschliche in der Natur des Finnen.