Finanzminister Hans Matthöfer ist gestärkt aus der Auseinandersetzung um die Sparbeschlüsse hervorgegangen

Von Gunter Hofmann

So viel Lob bekam er selten zu hören. Von Hans-Dietrich Genscher bis zur FAZ, vom Kanzler bis Otto Graf Lambsdorff, von Rudi Walther (SPD) über Hans Jörg Häfele (CDU) bis Ingrid Matthäus (FDP), den Haushaltsexperten der Fraktionen, preisen sie ihn: vom ersten bis zum letzten Satz könne man unterschreiben, was der Finanzminister zum Etat ’82 erklärt hat. Einen Oscar, nein, gleich zwei hat er verdient. Glücklich müsse sich der Unionspolitiker schätzen, der einmal in seinem Leben eine so gute Presse habe. Hans Matthöfer Superstar?

Selbst wenn es so wäre: man wird ihn weiterhin so erleben wie bisher – so, als fechte diesen Hans Matthöfer weder Lob noch Tadel an, als Einzelgänger, der macht, was er für richtig hält, und dem Fernsehpublikum sachlich, kühl, mit fast starten Zügen, manchmal mit einem Anflug von Verlegenheit Auskunft gibt über die Lage. So stellt sich Matthöfer dar, wenn die Kamera auf ihn schwenkt, "Ton ab", schon ist er ganz Konzentration und Kompetenz.

Auch dem Bundesrat wird es in seiner Sondersitzung schwerfallen, gegen Matthöfer, seinen Etatentwurf, vor allem aber gegen seine Argumente Punkte zu sammeln. Die strittige Kindergeldregelung wird vermutlich ohnehin aus dem Paket abgetrennt. In Washington, wohin Matthöfer noch am gleichen Tag zur Teilnahme an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds aufbricht, kann er sich selbstbewußt zeigen. Der Dollar sinkt, die Mark steigt. So hat er das gewollt.

Bis in das nächste Frühjahr hinein wird der Konflikt um Haushalt und Einsparungen andauern, der die Koalition erschüttert hat. Immerhin, einen vergleichbaren Einschnitt in den Etat hat es bisher noch nicht gegeben. Daß der Sozialstaat nicht wirklich zur Disposition gestellt und die Koalition nicht gescheitert ist – Matthöfer rechnet es sich nicht als Verdienst an. Aber er glaubt schon, damit zeigen zu können, daß er seine Hausaufgaben gemacht hat.

Viele Risiken bleiben, er selber hat es offen dargelegt. Selbst wenn die Wirtschaft sich positiv entwickelt, drohen die Arbeitslosenzahlen zu explodieren. Eine Zahl von 1,4 Millionen liegt dem Etatentwurf zugrunde, aber die Schätzungen für den Winter gehen inzwischen schon auf 1,75 bis 1,8 Millionen Arbeitslose. Wie soll das bezahlt werden? Was soll dann geschehen? Und sind so viele Arbeitslose auf lange Sicht nicht teurer als Konjunkturprogramme, die Matthöfer wie Helmut Schmidt gegenwärtig nicht für sinnvoll halten und auch nicht befürworten würden, wenn die SPD allein regierte?