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Von Hermann Bössenecker

Wenn alles nach Plan verläuft, dann wird dort, wo heute unmittelbar an der Isar im niederbayerischen Niederaichbach ein Kernkraftwerk steht, in wenigen Jahren wieder eine grüne Wiese sein, auf der die Kühe weiden.

Jürgen Obst von der Würzburger Gg. Noell GmbH hat die Wiederkäuer jedenfalls auf die letzte der Skizzen einzeichnen lassen, die den Ablauf der Arbeiten in allen Details verdeutlichen. Erstmals in der Bundesrepublik soll hier ein Atomkraftwerk ohne jeden Rest beseitigt werden – eine aufwendige und langwierige, von einer komplizierten Genehmigungsprozedur begleitete, rund 70 Millionen Mark teure Aktion.

Hört man die Techniker und liest man ihre minuziösen Beschreibungen, so entsteht leicht der Eindruck, die Demontage eines Kernreaktors sei die selbstverständlichste Sache der Welt. Während selbst naturwissenschaftlich gebildete Laien weithin von der Vorstellung ausgehen, daß einmal in Betrieb gegangene Atommeiler auch viele Jahre nach Stillegung immer noch strahlend in der Landschaft stehen und erst Generationen später ein Abbau möglich ist, gibt es für den Experten hier überhaupt kenn Wenn und Aber mehr.

Niederaichbach ist weltweit nicht der erste Atomreaktor, der abgewrackt wird – aber mit hundert Megawatt bisher der größte. Und es hat mit ihm eine ganz besondere Bewandnis, die den Abbruch erleichtert: Der mit Natururan betriebene, schwerwassermoderierte und mit Kohlendioxid gekühlte Druckröhren-Reaktor, eine Prototypanlage, war technisch bereits obsolet, also er 1974 nach langer Testphase angefahren wurde. Und bereits nach vierzehn Tagen wurde die Entwicklungsruine (so der frühere Siemens-Boß Bernhard Plettner) wieder abgeschaltet, ohne je die volle Leistung erreicht zu haben. Die radioaktive Verseuchung des Reaktors ist deshalb nur gering.

Doch obgleich in Amerika schon eine Reihe kleiner Atomanlagen eingemottet und zum Teil restlos beseitigt wurde, legt die Firma Noell Wert darauf, daß das ehrgeizige Vorhaben Modellcharakter hat. Auch Ernst Pieper, der Vorstandsvorsitzende des bundeseigenen Salzgitter-Konzerns, zu dem Noell seit 1970 gehört, ist stolz darauf, daß die fränkische Tochter dabei Pionierarbeit leistet.