Auf den schwach ausgelasteten Strecken im innerdeutschen Flugverkehr sollen künftig „Flughafenzüge“ die Zubringerdienste zum Verkehrsknotenpunkt Rhein-Main-Flughafen übernehmen. Am 1. April 1982 starten Lufthansa und Bundesbahn ein Pilotprojekt zwischen Düsseldorf/Köln und Frankfurt.

Bundesverkehrsminister Volker Hauff lud im März dieses Jahres Vorstandsmitglieder von Bundesbahn und Lufthansa zum vertraulichen Gespräch nach Bonn: Mit einem Testversuch will Hauff sein langfristiges „Verknüpfungskonzept Schiene-Luftverkehr“ verwirklichen, indem sogenannte Flughafenzüge als Alternative zu den Anschlußflügen Düsseldorf– bzw. Köln–Frankfurt eingesetzt werden, viermal täglich zu den „Stoßzeiten“ der Starts und Landungen.

Wenn alles gut geht, soll das Vorhaben auf weitere Kurzstrecken ausgedehnt und so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Bonner Verkehrsbehörde will ein energie- und umweltpolitisches Signal setzen. Zugleich soll das marode Staatsunternehmen Bundesbahn einen Batzen dabei verdienen, wobei letzterer Grund offensichtlich nicht entscheidend war: „Hauptanliegen ist nicht die Sanierung der Bundesbahn.“

Für die Lufthansa wird es darum gehen, den chronisch defizitären innerdeutschen Flugverkehr umzustrukturieren: kleinere Flugzeuge (und weniger Treibstoffkosten) auf wenig beflogenen Strecken und statt dessen verstärkte Werbung für den gecharterten „Fly-Train“, der, markengerecht blau-gelb lackiert, Fluggäste zu ihren Anschlußflügen befördert.

Mit eigenem Service und Zeitersparnis will man um die Kunden werben: Wie im Jet bieten Stewardessen Imbiß, Getränke und Zeitungen an, nur Gäste mit Flugscheinen dürfen im 1.-Klasse-Zug fahren. Das „Check-in“ wird bereits im Zug abgewickelt, man gibt die Koffer auf und erhält seine Einsteigekarte für das Flugzeug.

Die Fahrt nach Frankfurt dauert zwei Stunden zwanzig Minuten; wer seinen Anschlußflug per Flugzeug erreichen will, braucht in der Regel länger: Transit zum Flughafen, Abfertigung, Flug nach Frankfurt. Den Preisvorteil der Bundesbahn gewährt die „Fly-Rail“-Verbindung allerdings nichts sie kostet ebensoviel wie der verbilligte Zubringerflug.

Trotzdem rechnen die Verkehrsstrategen damit, daß Umsteiger aus dem mittleren Einzugsbereich (etwa 200–300 Kilometer) des Rhein-Main-Flughafens das Angebot nutzen. Deshalb werden, wenn sich die wirtschaftlichen Erwartungen des Testprojekts erfüllen, auch ab Nürnberg, Stuttgart, Saarbrücken und eventuell Hannover Flughafenzüge eingesetzt.