Der Goldpreis liegt wieder im Aufwind. Noch vor wenigen Monaten herrschte auf dem internationalen Goldmarkt tiefer Pessimismus. Ein Preis für die Unze (31,10 Gramm) von 350 Dollar wurde für möglich gehalten. Tatsächlich ist er aber von knapp unter 300 auf rund 450 Dollar gestiegen. Lohnt es sich, wieder Gold zu kaufen?

Auf dem Goldmarkt herrscht Nervenkrieg. Die südafrikanischen Golderzeuger, an steigenden Goldpreisen interessiert, überschwemmen zur Zeit den Markt mit Prognosen, die immer zu dem gleichen Schluß kommen: Der Goldpreis wird steigen. So sagt Woody Brock, Leiter der Strategie Economic Decisions Inc. in Menlo Park, Kalifornien, „mit zwei Drittel Wahrscheinlichkeit“ für 1987 einen Goldpreis voraus, der zwischen 974 und 1124 Dollar je Unze liegen wird, sofern eine Inflationsrate von jährlich neun Prozent zugrunde gelegt wird. Auftraggeber der von Brock angefertigten Studie ist die Anglo American Corporation of South Africa, einer der wichtigsten Goldproduzenten in Südafrika, deren Aktien auch an den deutschen Börsen gehandelt werden.

Die Baissiers halten einen nennenswerten Anstieg des Goldpreises schon deshalb für utopisch, weil nach ihrer Meinung Südafrika unter Verkaufszwang steht, also bei steigenden Preisen den Markt mit Gold beliefern wird. Außerdem müsse die Sowjetunion sich von einem Teil ihrer Goldbestände trennen, um Dollar für zusätzliche Getreideimporte anzuschaffen. Kenner des Goldmarktes bezweifeln jedoch, daß die Sowjetunion unter einem irgendwie gearteten Zwang steht. Die Russen sind geschickte Händler. Sie haben, als der Goldpreis auf unter 400 Dollar je Unze gerutscht war, Gold aufgekauft und scheinen zur Zeit dabei zu sein, diese Handelsbestände wieder abzustoßen.

Über eines sind sich die seriösen Goldhändler einig: Der Goldpreis hat seinen Tiefpunkt hinter sich. Er war unter Schwankungen von 850 Dollar (Januar 1980) bis 391 Dollar (August 1981) gefallen und hat sich jetzt um etwa zehn Prozent erholt.

Der Wiederanstieg k’am früher, als die Goldhändler erwartet hatten. Bisher waren sie davon ausgegangen, daß der Hauptgrund für den schwachen Goldpreis die hohen Zinsen in den USA war. Obwohl sich an ihrer Höhe nicht viel geändert hat, haben die Goldkäufe plötzlich zugenommen. Das hängt zweifellos mit der „Entzauberung“ des Dollar zusammen, mit den zunehmenden Zweifeln am Erfolg der Reaganschen Wirtschaftspolitik, aber auch mit den Ereignissen in Polen und mit einer zunehmenden Wendung der Franzosen zum Gold, seitdem ihnen die Verlagerung ihrer Vermögen ins Ausland nicht mehr (oder nur unter erschwerten Bedingungen) möglich ist. In den USA ist das Gold überdies durch die Diskussion über die Wiedereinführung des „Goldstandards“ aufgewertet worden. Von seiner Demonetisierung ist heute keine Rede mehr.

Überall in der Welt hat Gold seine währungspolitische Rolle verstärkt. Ende 1980 lagerte Gold bei den Notenbanken im Wert von 663 Milliarden Dollar. Das ist mehr als die Hälfte aller verfügbaren Währungsreserven. Ohne die ständigen Käufe der Zentralbanken wären die Preisrückgänge am Goldmarkt weit starker ausgefallen. Denn die hohen Goldpreise Ende 1979 und Anfang 1980 haben zu einer Enthortung bei den privaten Beständen geführt. Es wurden nicht nur spektakuläre Bestände aufgelöst, es kam auch zur Einschmelzung von Schmuckstücken. Und dies im großen Umfang. Die Dresdner Bank schätzt den Verkauf aus privaten Beständen im Jahre 1980 auf 300 Tonnen Gold, nachdem ein Jahr zuvor die privaten Anleger noch über 400 Tonnen Gold erworben hatten.

Für uns, meine verehrten Leser, stellt sich jetzt die Frage, ob es nicht interessant sein kann, die Goldbestände wieder anzureichern. Dabei sollen wir in diesem Zusammenhang Gold nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt betrachten, sondern als Anlagemedium zum Schütz gegen Geldentwertung und in extremen Notzeiten. Daß bei solchen Betrachtungen das „zinslose“ Gold im Vergleich zu den am Rentenmarkt immer noch erzielbaren hohen Zinsen einen schweren Stand hat, liegt auf der Hand. Aber wer die Sicherheit sucht, die nur das Gold zu bieten hat, muß dafür einen Preis entrichten. Eine Prämie für Wechselfälle des Lebens, die hoffentlich nie. eintreten werden.